Google-Bewertungen kaufen: Warum das in 2022 keine gute Idee ist und welche Alternativen es gibt

Aktualisiert am 12.01.2023
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Bist du auch schon mal in Versuchung geraten, günstige Google-Bewertungen zu kaufen, um deine Reputation aufzuwerten? Die Werbeslogans der Anbieter machen ja die vollmundigsten Versprechungen. Im Paket kannst du dir da ein besseres Image und eine höhere Durchschnittsbewertung auf Google für kleines Geld erkaufen. Doch davon ist dringend abzuraten.

Dass sich ein positives Bewertungsprofil gewinnmaximierend auswirken kann, ist eine Tatsache. Aber lohnt es sich deshalb, Fake-Bewertungen einzukaufen? Die Antwort darauf ist ein klares Nein. Anstatt Google-Bewertungen zu kaufen, gibt es nur eine Alternative: Tu etwas für echte Rezensionen.

Die Wichtigkeit von Online-Bewertungen

Welche Bedeutung haben Google-Bewertungen für Unternehmen?

Die gewichtige Bedeutung der Bewertungsfunktion haben Umfragen immer wieder unter Beweis gestellt.

  • 85 Prozent der User vertrauen Online-Bewertungen.
  • 80 Prozent der User wechseln wegen schlechter Bewertungen zur Konkurrenz.
  • 85 Prozent der User zahlen mehr bei guten Bewertungen.
  • 60 Prozent der User lesen regelmäßig Bewertungen auf dem Smartphone.

Noch klarer wird die Signifikanz von Rezensionen bei der Antwort von Usern auf die Frage, worauf sie beim Kauf am meisten vertrauen.

  • 36 Prozent der User vertrauen am meisten Online-Bewertungen.
  • 24 Prozent der User vertrauen am meisten auf Expertenmeinungen.
  • 21 Prozent der User vertrauen am meisten ihrem eigenen Eindruck des Produkts.
  • 20 Prozent der User vertrauen am meisten den Empfehlungen ihrer Freunde und Bekannten.

Der Bewertungsdurchschnitt bei Google spielt vor allem bei der Neukundengewinnung eine kardinale Rolle. Rezensionen ersetzen dem Konsumenten die Mundpropaganda von früher. Aber natürlich in viel größerem Ausmaß. Wer heute in einer fremden Stadt ein Restaurant sucht, checkt die Suchergebnisse von Google. Stehen mehrere Anbieter zur Auswahl, entscheiden meist die Bewertungen, wo man zum Essen hingeht. Denn positive Rezensionen schaffen Vertrauen.

Kein Wunder also, dass das Geschäft mit den falschen Bewertungen boomt. Bereits im Jahr 2020 entdeckte der IT-Nachrichtendienst Heise Online mehr als 7.000 verdächtige 5-Sterne-Rezensionen auf Amazon. Sämtliche dieser gefakten Wunschtexte stammten von einem einzigen Server und galten chinesischen Online-Händlern. Auf noch dubiosere Praktiken stießen die Heise-Redakteure beim Messenger-Dienst Telegram. Hier sind Agenten unterwegs, die Fake-Bewerter anwerben. Das geschieht heutzutage nicht einmal mehr im persönlichen Kontakt, sondern via Bot.

Übrigens: Man kann auch schlechte Google-Bewertungen kaufen. Aber das ist ebenfalls keine gute Idee.

Google-Bewertungen kaufen – warum eigentlich nicht?

Die Verlockung ist groß. Für wenig Geld erkauft man sich das Vertrauen potenzieller Neukunden. Und wenn man mal eine echte negative Bewertung erhalten hat? Egal, mit vielen gekauften positiven Rezensionen kann man die ungünstige Kundenmeinung leicht übertünchen. Das hört sich alles reizvoll an, dennoch ist davon dringend abzuraten. Du solltest generell lieber die Finger von gekauften Bewertungen lassen.

Ein Grund dafür ist, dass du von den echten Rezensionen deiner Kunden viel lernen kannst. Auch dadurch kannst du deinen Umsatz steigern. Denn echte Kunden sagen dir in ihren Kommentaren, wie ihnen dein Produkt oder deine Dienstleistung tatsächlich gefallen hat. Du erfährst dadurch sofort und aus erster Hand, was bei deiner Zielgruppe gut ankommt und was nicht. Du erhältst kostenfreie Verbesserungsvorschläge und Hinweise dazu, wo noch Optimierungsbedarf besteht. Auf so eine Gratisberatung zum Stand deiner Leistung solltest du nicht verzichten.

Kaufst du jedoch Google-Bewertungen ein, kannst du bald nicht mehr zwischen echten Kundenmeinungen und Fakes unterscheiden. Rückschlüsse aus den Kommentaren von echten Konsumenten sind also nicht mehr möglich. Außerdem können gefälschte Rezensionen zu echten Negativbewertungen führen. Denn Käufer sind ja nicht blöd und kommen den Fakes mitunter auf die Schliche. Dies macht sich dann wiederum in den Kommentaren bemerkbar, was Interessenten abschrecken kann. Dadurch entsteht ein verzerrtes Bild deines Unternehmens; eine schlechtere Imagewerbung kannst du gar nicht bekommen.

Das Schlimmste an gekauften Fake-Bewertungen ist jedoch die Tatsache, dass sie meistens auch noch illegal sind.

Wann ist Google-Bewertungen kaufen legal?

Prinzipiell ist das Kaufen von positiven Bewertungen nicht illegal. Anbieter dürfen kostenpflichtige Rezensionen vermitteln, wenn es sich dabei um Produkttests handelt. Die Tester bekommen das Produkt gratis zur Verfügung gestellt und müssen es dafür online bewerten. Allerdings muss diese Vorgehensweise für den Leser der Rezension erkennbar sein.

Verboten ist es jedoch, aus rein kommerziellen Gründen zu bewerten, ohne das Produkt selbst geprüft zu haben. Dadurch würde man den Verbraucher in die Irre führen. Deshalb verstößt du mit dem Kauf von Fake-Rezensionen gegen §5 Absatz 1 Nummer 1 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb UWG. Damit riskierst du, abgemahnt zu werden, was äußerst kostspielige Folgen haben kann.

Und auch schlechte Google-Bewertungen für deine Mitbewerber zu kaufen, ist nicht legal. Denn diese Praktik erfüllt den Tatbestand der Rufschädigung. Der Konkurrent, dem du die negative Rezension verpassen möchtest, könnte dich dafür also anzeigen.

Bewertungen kaufen, ist das legal? Gesetzesänderung schafft noch mehr Klarheit

Zum 28.05.2022 wurde die Gesetzeslage in Sachen Bewertungskauf noch klarer gestellt. Denn zu diesem Termin traten zwei Ergänzungen des UWG in Kraft.

Bewertungen kaufen § 3 Absatz 3 UWG (Neuer Anhang zu § 3 Absatz 3 Nr. 23c) „Die Übermittlung oder Beauftragung gefälschter Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern sowie die falsche Darstellung von Bewertungen oder Empfehlungen von Verbrauchern in sozialen Medien zu Zwecken der Verkaufsförderung“ wird neu als unzulässig erklärt.
Irreführung über die Echtheit von Bewertungen § 3 Absatz 3 UWG (Neuer Anhang zu § 3 Absatz 3 Nr. 23b) „Die Behauptung, dass Bewertungen einer Ware oder Dienstleistung von solchen Verbrauchern stammen, die diese Ware oder Dienstleistung tatsächlich erworben oder genutzt haben, ohne dass angemessene und verhältnismäßige Maßnahmen zur Überprüfung ergriffen wurden, ob die Bewertungen tatsächlich von solchen Verbrauchern stammen“ wird ebenfalls als unzulässig erklärt.

Darüber hinaus gibt es in diesem Zusammenhang den neuen Tatbestand ‚Irreführung durch Unterlassen‘. Den Bewertungsplattformen werden damit neue Hinweispflichten auferlegt.

Für Unternehmen ergeben sich daraus zwei Konsequenzen:

  • Verbraucherzentralen können Käufer von Fake-Bewertungen abmahnen beziehungsweise verklagen. Die Verbraucherschützer haben das Thema Bewertungskauf in letzter Zeit vermehrt ins Visier genommen, es ist mit solchen Aktionen also tatsächlich zu rechnen.
  • Bewertungsportale sind nach neuem Recht dazu verpflichtet, gegen Händler von Fake-Rezensionen vorzugehen. Die Unternehmen versuchen deshalb bereits mit Hochdruck, gefakte Bewertungen mithilfe von speziellen Filtern zu identifizieren.

Google-Bewertungen kaufen? Die Alternative sind echte Bewertungen

Wie komme ich nun aber am besten zu echten positiven Bewertungen? Dafür kannst du einiges tun. Zunächst erteilen zufriedene Kunden natürlich die besten Bewertungen. Aber nicht jeder Käufer bewertet dich auch automatisch nach einer positiven Kauferfahrung.

So kriegst du deine Kunden dazu, Rezensionen abzugeben:

  • Fordere deine Käufer nach dem Kaufabschluss auf, eine Bewertung zu hinterlassen.
  • Mach es deinen Kunden so einfach wie möglich, eine Bewertung abzugeben; zum Beispiel, indem du einen QR-Code auf Flyern und Quittungen bereitstellst.
  • Sprich Stammkunden immer mal wieder auf Bewertungen an.

Hast du eine positive Rezension erhalten, solltest du diese aber nicht einfach unkommentiert stehen lassen. Denn deine Rezensenten freuen sich immer über ein Dankeschön. Indem du auf Bewertungen reagierst, nimmst du eine günstige Gelegenheit wahr, mit deinen Kunden in den persönlichen Kontakt zu treten. Das trägt aktiv zur Kundenbindung bei und kostet gar nichts.

So reagierst du auf positive Google-Rezensionen

Bedanke dich für die gute Bewertung und sprich den Kunden dabei direkt mit seinem Namen an. Geh auf einzelne Aussagen gezielt ein, so entsteht ein Dialog mit dem Käufer. Das schafft eine persönliche Ebene. Weise den Kunden außerdem auf mehrwertige Programme oder Rabattkationen hin. So machst du aus ihm im besten Fall einen Stammkunden.

So reagierst du auf negative Google-Rezensionen

Auch in diesem Fall solltest du den Käufer höflich mit seinem Namen ansprechen. Geh auf seine Kritik ein und stelle ruhig auch Nachfragen. Biete dem Kunden für seine negative Erfahrung eine Entschädigung an, etwa in Form eines Gutscheins. Unberechtigte Kritik darfst du aber auch sachlich korrigieren.

Mehr zu diesem wichtigen Thema liest du in unserem ausführlichen Artikel Schlechte Bewertung: So antwortest du richtig auf negative Google-Rezensionen.

Fazit: Unechte Bewertungen einzukaufen, ist keine zukunftsfähige Strategie

Natürlich klingen die Werbeversprechen der Bewertungsverkäufer einladend und verlockend. Du solltest der Versuchung von zugekauften Bewertungen mit Wunschtext aber auf jeden Fall widerstehen, wenn du nicht abgemahnt werden willst. Baue lieber echte Kundenbindungen auf und versuche so, gute Bewertungen zu generieren.

Wenn du zu wenige Rezensionen bekommst, solltest du trotzdem keine Fake-Bewertungen einkaufen, sondern aktiv auf zufriedene Kunden zugehen, um dein Bewertungsprofil aufzubessern. Erhältst du allzu viele negative Kommentare, solltest du nachforschen, woran das liegt. Geh dafür aktiv in den Dialog mit den Internetusern und finde heraus, wie du dich verbessern kannst. Solche legalen Maßnahmen mögen mühsamer und aufwendiger sein als schnelle Bewertungskäufe. Allerdings ziehen sie keine rechtlichen Konsequenzen nach sich und wirken langfristiger als Fake-Rezensionen.

Der alte Spruch ‚Ehrlich währt am längsten‘ hat auch im digitalen Zeitalter nicht an Gültigkeit verloren. Und schlechte Google-Bewertungen zu kaufen, um Konkurrenten in ein negatives Licht zu rücken, ist einfach übles Geschäftsgebaren.

Quellen:

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