Instagram Reels: TikTok-Kopie oder Next Big Thing?

Aktualisiert am 16.01.2023
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Woran kann man erkennen, dass ein Social-Media-Format besonders gut funktioniert? Ein wesentlicher Indikator ist, ob Facebook eine eigene Version als vermeintlichen “Abklatsch” herausbringt. Snapchat etwa führte seine Story-Funktion schon im Jahr 2014 ein – tatsächlich wurde das Feature aber erst richtig populär, als Instagram 2016 mit einer ähnlichen Funktion an den Start ging. Neben sämtlichen Facebook-Diensten verfügt inzwischen auch LinkedIn über ein Story-Format – ein Trend, den man durchaus als nachhaltig bezeichnen kann.

2020 stellte in der Evolutionsgeschichte der sozialen Medien einen weiteren Meilenstein dar. Es wird unter anderem als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem TikTok – auch befeuert durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie – in Europa seinen Durchbruch feierte. Entsprechend konnte es keine wirkliche Überraschung sein, dass Instagram mit Reels im selben Jahr ein Format eingeführt hat, das offensichtliche Parallelen zum chinesischen Original aufweist.

Reels bietet (noch) Potenzial für First Mover

Ist Instagram Reels mehr als nur eine Kopie von TikTok? Oder stellt es vielleicht sogar die bessere Alternative für Brands dar, die zeitgemäßes Storytelling betreiben und junge Zielgruppen adressieren wollen? Eine Frage, die zahlreiche Branchenexperten umtreibt.

Fakt ist: Der Content der Zukunft kommt als Video. Entsprechend sieht der Facebook-Konzern für Reels offenbar eine Sonderrolle vor – wohl kaum wäre das Feature im Zuge des letzten Relaunches sonst derart hervorgehoben worden.

Der Hype um TikTok ist nach wie vor ungebrochen. So ziemlich jeder Marketer will auf dieser neuen Wiese mitspielen und herumexperimentieren. Entsprechend könnte es gerade für Unternehmen, die ohnehin schon auf Instagram unterwegs sind, Sinn ergeben, sich mit den Möglichkeiten von Reels auseinanderzusetzen. Insbesondere, weil die Eintrittsbarriere für Reels deutlich niedriger ist, da es im Idealfall bereits eine stattliche Fanbase gibt, die die neuen Bewegtbildinhalte zu honorieren weiß.

Langfristig gesehen ergibt sich ein weiterer Vorteil, wenn man sich als Unternehmen genau jetzt mit den Mechaniken von Instagram Reels vertraut macht. Denn sollte Reels TikTok tatsächlich irgendwann den Rang als führende Plattform für Kurzvideos ablaufen, wird man als First Mover dastehen, der seinen Fußabdruck bereits hinterlassen hat, ehe die große Reels-Hysterie ausbrach. Klar: Das Risiko, dass es nicht so kommt, ist real. Die Chance, sich durch Weitsicht einen strategischen Vorteil zu verschaffen, aber umso größer.

Der entscheidende Vorteil gegenüber TikTok

Das Rennen zwischen TikTok und Reels ist noch lange nicht entschieden. Zumal der junge Contender aus dem Reich der Mitte mit Blick auf die Innovationskraft seines Heimatmarktes bestimmt noch den ein oder anderen Trumpf im Ärmel hat.

Ein Argument, das aber klar für Reels spricht, ist die Expertise des Mutterkonzerns Facebook in Sachen Marketing. Denn auch wenn es derzeit noch keine integrierten Tools für Werbetreibende gibt, um Reels in den Marketing-Mix zu integrieren, wäre es naiv zu glauben, dass Facebook Inc. keine konkreten Pläne dazu hat.

Zugegeben: TikTok hat beispielsweise mit Einführung seiner Plattform für kleine und mittelständische Unternehmen nachgewiesen, dass man die Bedürfnisse von Werbetreibenden auf dem Schirm hat und sich Unternehmen weiter öffnen muss, um sich wesentliche Revenue Streams zu erschließen. Der Vorsprung von Facebook dürfte in diesem Zusammenhang aber nicht aufzuholen sein. Ob Analytics, E-Commerce oder Ad Management: Die jeweiligen Technologien gibt es schon, sie müssen nur noch auf Reels zugeschnitten werden.

6 Praxistipps: So gelingt der Einstieg mit Reels

Das, was Instagram Stories vor einigen Jahren war, ist heute Reels: Ein interessantes, neues Feature, von dem bislang nur die wenigsten Werbetreibenden wissen, wie sie es am besten für ihre Kommunikation nutzen können.

Um sich mit Reels vertraut zu machen, ist es ganz entscheidend, das Content-Format kennenzulernen. Gerade weil organisches Wachstum bislang die einzige Möglichkeit ist, über Reels seine Zielgruppe zu erweitern, ist es ganz wesentlich, Inhalte zu erstellen, die den Ansprüchen der User entsprechen.

Um dir die ersten Schritte mit Reels zu erleichtern, haben wir sechs Praxistipps zusammengestellt, die dir dabei helfen werden, deinen ersten Reels-Clip zu erstellen:

  1. Verwende die Reels-Kamera in der Instagram-App: Um auf alle Funktionen innerhalb von Reels zuzugreifen, verwende die Kamera, die Instagram extra für das Feature entwickelt und implementiert hat. Tippe dafür auf das Reels-Symbol in der oberen rechten Ecke und gib deine Kamera für die Anwendung frei. 
  2. Teile Inhalte, die originell und authentisch sind: Inspiration ist wichtig, das direkte Kopieren von Inhalten aber in den seltensten Fällen der richtige Weg – gerade dann, wenn du die Wahrnehmung deiner Marke nachhaltig stärken willst. Bei den Inhalten lohnt es sich, die Extrameile zu gehen und Content zu entwickeln, der authentisch ist und die eigenen Werte repräsentiert.
  3. Inspiriere deine Community, selbst Inhalte zu kreieren: Eine Darstellungsform, die sowohl für Reels als auch für TikTok charakteristisch ist, sind Tänze, Imitationen oder andere Formen des persönlichen Ausdrucks. Hier kann es sich lohnen, Zeit zu investieren, um möglicherweise einen Trend anzustoßen, der das Potenzial hat, viral zu gehen.
  4. Nutze die Musikbibliothek und Audio-Tools: Reels wirbt mit Musik aus der eigenen Musikbibliothek sowie einem eigenen Audio-Tool. Auf diese Möglichkeiten solltest du dich bei der klanglichen Gestaltung deiner Inhalte auch beschränken, um Probleme mit Lizenzen Dritter zu vermeiden.
  5. Binde aktuelle Trends und Themen in dein Reel ein: Nutzer werden deine Reels eher wahrnehmen, wenn du an Themen und Trends anknüpfst, die von aktuellem Interesse sind. Ob globale Modetrends, ein aktueller Musikhit oder ein beliebter Tanz – wichtig ist in erster Linie, dass der User einen persönlichen Bezug zu deinen Inhalten herstellen kann.
  6. Verwende auf Reels keine TikTok-Clips: Als Reels gerade erst auf den Markt gekommen war, haben viele Nutzer einfach ihre TikTok-Inhalte dort gepostet. Das konnte jeder sehen; schließlich ist jedes dieser Content-Pieces mit dem TikTok-Logo als Wasserzeichen versehen. Instagram fand das (verständlicherweise) weniger erfreulich, weshalb der Algorithmus nun Reels mit TikTok-Logo bestraft. Die Devise muss also lauten: immer originäre Inhalte posten!

Bewegtbild gehört die Zukunft – so oder so! 

Wer bei seinen ersten Versuchen, mit den Reels Fuß zu fassen, die oben genannten Praxistipps befolgt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Bruchlandung hinlegen. Mindestens genauso wichtig ist es, seine Zielgruppe zu definieren und ihre Vorlieben und Aktivitäten aufmerksam zu verfolgen. Das Abonnieren bestimmter Hashtags dient als hilfreiches Tool, um ein tiefes Verständnis für die Community und ihre Themen zu entwickeln. Über einen klassischen Trial-and-Error-Ansatz wirst du im Anschluss schnell herausfinden, welche Inhalte gut funktionieren.

Instagram Stories, einst als vermeintliche Kopie von Snapchat gestartet, werden inzwischen von über drei Millionen Werbetreibenden genutzt. Eine ähnliche Entwicklung ist auch für Instagram Reels nicht ausgeschlossen, weshalb es zumindest nicht schaden kann, die Möglichkeiten des jüngsten Instagram-Features in der Praxis zu testen.

Dass Bewegtbild das Content-Format der Zukunft sein wird, scheint ohnehin indiskutabel – genauso wie die Tatsache, dass Facebook Inc. mit WhatsApp und Instagram in diesem Szenario eine zentrale Rolle einnehmen wird.

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