Online-Shop verkaufen: Dein Schritt-für-Schritt-Leitfaden zur erfolgreichen Übergabe

Von Alexandra Lennarz,
Aktualisiert am 12.01.2024 | Lesezeit ca. Min.

Fast zwei Drittel der Neugründungen, darunter Online-Shops, schaffen es nicht über die Fünfjahres-Hürde. Obwohl Schweiß und Tränen in deinem E-Commerce-Geschäft stecken, ist es manchmal an der Zeit, sich neuen Herausforderungen zu widmen. Sofort stellen sich dir aber neue Fragen: Wie verkaufe ich meinen Online-Shop erfolgreich? Wie finde ich kaufbereite Interessenten und setzte den richtigen Verkaufspreis an?

Glücklicherweise stehst du nicht alleine da. In diesem Schritt-für-Schritt-Leitfaden werden wir gemeinsam unter anderem die folgenden Fragen beleuchten und klären:

  • Wie mache ich meinen Shop für andere Betreiber attraktiv und ziehe sie an?
  • Wie kommuniziere und verhandle ich mit potenziellen Käufern?
  • Welche rechtlichen Aspekte gibt es bei der Übergabe zu beachten?

Du wirst erfahren, wie du deine Verkaufschancen erhöhen kannst, und lernen, wie du dich auf den gesamten Prozess vorbereitest. Packen wir es gemeinsam an!

Vorbereiten auf die richtige Gelegenheit: Lass uns deinen Online-Shop zur Verkaufsreife bringen

In diesem Abschnitt zeigen wir dir zunächst einmal, wie du deinen Online-Shop optimal vorbereitest, um ihn interessant für einen Verkauf zu machen.

Dein Geschäftsmodell evaluieren und optimieren

Bevor du einen Verkauf deines Online-Shops in die Wege leitest, solltest du dein Geschäftsmodell genau unter die Lupe nehmen. Analysiere zunächst die aktuelle Situation in Bezug auf:

  • Kundenstamm
  • Besucherzahlen
  • Umsatz

Biete möglichen Käufern durch eine Optimierung deines Geschäftsmodells einen zusätzlichen Anreiz, zuzuschlagen.

Ermittlung eines realistischen Marktwerts

Einen realistischen Marktwert für deinen Online-Shop anzusetzen, kann eine komplizierte Angelegenheit sein – gibt es doch allerlei Faktoren zu bedenken. Auf keinen Fall vergessen solltest du:

  • Die Profitabilität deines Online-Shops
  • Das Wachstumspotenzial
  • Die Kundenbasis und deren Zukunftsträchtigkeit
  • Den Zustand der Website und ihre technische Aktualität
  • Die Positionierung in der Branche und auf dem Markt

Shop für den Verkauf vorbereiten

Vor dem Verkauf steht eine sorgfältige Planung, damit zum Stichtag keine böse Überraschung aufwartet. Folgende Schritte solltest du einrichten:

  1. Finanzielle und betriebliche Prüfung: Überprüfe alle finanziellen und betrieblichen Aspekte deines Online-Shops. Kontrolliere dafür alle Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen und andere wichtige finanzielle Dokumente. Stelle sicher, dass alles sauber dokumentiert ist.
  2. Optimierung deiner Webpräsenz: Die User-Experience, SEO-Performance und Benutzbarkeit auf verschiedenen Geräten kann großen Einfluss auf den Marktwert haben. Verbesserungen in diesem Bereich können ihn erheblich steigern und sollten vor dem ersten Verkaufsversuch erfolgen.
  3. Rechtsfragen klären: Stelle sicher, dass es keine offenen juristischen Fragen, Klagen oder drohenden Rechtsstreitigkeiten gibt. Geistiges Eigentum, Verträge mit Lieferanten und Kundendaten müssen besonders sorgfältig behandelt werden.

Deine Exit-Strategie planen: zwei mögliche Wege

Alles vorbereitet? Dann kannst du nun konkret den Verkauf planen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten, um ihn zum Erfolg zu führen. In diesem Abschnitt werden wir uns mit den zwei gängigsten Szenarien befassen.

Sell and stay on – der Verkauf ohne Abschied

Bei dieser Variante verkaufst du dein Unternehmen, bleibst aber als Manager oder Berater tätig. Diese Option hat einige Vorteile und Nachteile.

Einer der Vorteile ist, dass du die Möglichkeit hast, weiterhin Einfluss auf die Geschäftsentwicklung zu nehmen und dein Wissen und Know-how zur Verfügung zu stellen. Dies kann insbesondere für Online-Shops relevant sein, die sich in einer besonderen Nische oder Branche befinden, in der dein Expertenwissen – beispielsweise spezielle Programmierkenntnisse – von großem Wert ist.

Ein Nachteil könnte sein, dass du weniger Freiheit hast, da du nun Verpflichtungen gegenüber dem neuen Eigentümer hast. Außerdem könnten Provisionen oder Gewinnbeteiligungen niedriger ausfallen, da du nicht mehr der alleinige Inhaber bist.

Das Clean-Break-Szenario – du verkaufst und gehst

In diesem Szenario verkaufst du dein Unternehmen und ziehst dich komplett zurück. Die Vorteile liegen auf der Hand: Du erhältst einen einmaligen Kaufpreis für dein Unternehmen und kannst dich danach neuen Projekten oder Herausforderungen widmen, ohne nach dem Verkauf noch in das Unternehmen involviert zu sein.

Die Nachteile dieser Option sind unter anderem, dass du keinen weiteren Einfluss auf die Geschäftsentwicklung hast und möglicherweise keine langfristige Gewinnbeteiligung erhältst. Außerdem kann es schwieriger sein, einen Käufer zu finden, der bereit ist, das Unternehmen zu den gewünschten Konditionen beziehungsweise in einer bestimmten Branche zu übernehmen.

Die Wahl der richtigen Exit-Strategie hängt letztlich von deinen persönlichen Zielen, der Art deines Online-Shops und den Marktbedingungen ab. In jedem Fall ist es wichtig, frühzeitig mit der Planung zu beginnen, um dein Unternehmen bestmöglich durch den Verkaufsprozess zu führen.

Die richtigen Käufer finden: Wie ziehst du Interessenten an?

Dieser beginnt nun. In diesem Abschnitt erfährst du, wie du die richtigen Interessenten für deinen Online-Shop anziehst, an die du profitabel verkaufen kannst.

Die richtige Zielgruppe für deinen Shop identifizieren

Zuerst musst du herausfinden, wer deine potenziellen Käufer sind. Dafür kannst du folgende Fragen in Erwägung ziehen:

  • Produkteigenschaften: Welche Probleme lösen deine Produkte oder Dienstleistungen? Für welche Branche könnten sie interessant sein?
  • Konkurrenzanalyse: Wer sind deine aktuellen Konkurrenten? Haben sie eine Schwachstelle, die dein Shop füllen könnte?

So bewirbst du deinen Verkauf

Nachdem du deine Zielgruppe identifiziert hast, ist es an der Zeit, sie auf deinen Online-Shop aufmerksam zu machen. Hier sind einige Maßnahmen, die du nutzen kannst, um dein Angebot zu bewerben:

  • Verkaufsplattformen: Nutze Plattformen, die speziell auf den Verkauf von Online-Geschäften ausgelegt sind. Webseiten wie Shopify Exchange, Flippa oder Empire Flippers können die Anzeigenreichweite deutlich erhöhen und spezialisierte Käufer anziehen.
  • Zusammenarbeit mit einem Broker: Ein erfahrener Broker kann dir dabei helfen, potenzielle Käufer zu finden und den Verkaufsprozess souverän zu handhaben.
  • Netzwerk nutzen: Sprich mit deinem Geschäftsnetzwerk und gib Bescheid, dass du deinen Online-Shop verkaufen möchtest. Du wirst vielleicht überrascht sein, wie viele Leads du aus deinem eigenen Netzwerk generieren kannst.
Online-Shop verkaufen: 4 Erfolgsstrategien

Vom Interesse zum Kaufvertrag: Kommunikation und Verhandlung

Du hast bereits einige Interessenten angezogen und für deinen Shop begeistert? Dann begleiten wir dich nun auf dem weiteren Verkaufsweg.

Du beginnst üblicherweise mit einer Präsentation deines Unternehmens und der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen, um zu informieren und das Interesse noch zu verstärken. Anschließend könnt ihr in die Verhandlungsphase eintreten, um den Verkaufspreis zu bestimmen. Hierbei solltest du darauf achten, ein faires und marktgerechtes Kaufpreisangebot zu unterbreiten, um die Erfolgswahrscheinlichkeit des Verkaufsabschlusses zu erhöhen.

Bei der Verhandlung sollten verschiedene Aspekte berücksichtigt werden, beispielsweise eventuelle Provisionen, die im Zuge des Verkaufs anfallen können. Es ist wichtig, alle Fragen und Bedenken des potenziellen Käufers zu klären und Transparenz über Preis- und Verkaufsbedingungen zu gewährleisten, um die Verhandlung erfolgreich abzuschließen.

Rechtliche Aspekte beim Verkauf deines Online-Shops

Schließlich gibt es noch formale Fragen zu klären, damit der Verkauf rechtlich sauber abläuft.

Unverzichtbare Vertragsbestandteile: Was muss drin stehen?

Beim Verkaufen deines Online-Shops gibt es einige rechtliche Aspekte und Vertragsklauseln, die beachtet werden müssen. Dazu gehören:

  • Kaufpreis: Festlegung des Kaufpreises für den Online-Shop, inklusive der Zahlungsbedingungen und -fristen.
  • Übertragung des Geschäfts: Die Übergabe des gesamten Geschäfts inklusive aller Rechte und Pflichten, etwa des Kundenstamms, der Warenbestände im Lager, der Verkaufsplattform und der Domain.
  • Haftungsausschluss für Mängel: Eine Regelung über die Haftung des Verkäufers für etwaige Mängel des Online-Shops, insbesondere eines möglicherweise verschwiegenen Mangels, der den Kauf in ein anderes Licht rückt.

Alle genannten Vertragsbestandteile müssen klar und verständlich formuliert sein.

Den Übergabeprozess rechtlich sauber gestalten

Es ist wichtig, den Übergabeprozess des Online-Shops rechtlich sauber zu gestalten. Dazu gehört unter anderem die Anpassung von Impressum, Datenschutzerklärung und eventuell den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) des Shops.

Nach der Übergabe müssen auch die Zuständigkeiten für etwaige offene Forderungen geklärt werden. Oftmals bleibt der Verkäufer verpflichtet, für Alt-Verbindlichkeiten aufzukommen, während der Käufer für zukünftige Geschäfte verantwortlich ist. Zudem sind Verträge und Vereinbarungen mit Dritten, wie Lieferanten oder Anbietern von E-Commerce-Software und Plattformen, zu prüfen und gegebenenfalls zu übertragen oder zu kündigen.

Insgesamt ist es empfehlenswert, sich bei rechtlichen Fragen und zur Erstellung eines rechtssicheren Kaufvertrags an einen erfahrenen Anwalt oder eine Kanzlei im Bereich E-Commerce-Recht zu wenden. So kannst du sicherstellen, dass beim Verkauf deines Online-Shops alle rechtlichen Anforderungen erfüllt sind und mögliche Konflikte vermieden werden.

Post-Sale-Prozess

Nachdem der Verkaufsvertrag abgeschlossen wurde, solltest du dich bemühen, die Käuferzufriedenheit im Sinne einer langfristigen Geschäftsbeziehung zu gewährleisten. Hierbei geht es in erster Linie um die korrekte Abwicklung von Zahlungen und die termingerechte Lieferung schon bestellter Produkte.

Sei also immer ansprechbar und gib hilfreiche Tipps, denn in der E-Commerce-Welt kann es schnell passieren, dass du auf der anderen Seite stehst.

Fazit

Um deinen Online-Shop erfolgreich zu verkaufen, ist es entscheidend, gründlich vorzugehen und den Verkaufsprozess strategisch zu planen. Eine realistische Geschäftsbewertung und relevante Informationen aufzubereiten, sind grundlegende Schritte. Betone dabei die Stärken und Chancen deines Online-Shops und mache deutlich, was ihn von anderen abhebt.

Während des gesamten Prozesses sind Ehrlichkeit und Transparenz essenziell, um das Vertrauen von Interessenten zu gewinnen. Mit Geduld und einer durchdachten Vorgehensweise kannst du deinen Online-Shop mit gutem Gewissen und zu einem guten Preis verkaufen. Wir wünschen dir viel Erfolg!

Disclaimer

Dieser Beitrag ist nach bestem Wissen und Gewissen sorgfältig zusammengestellt. Es wird kein Anspruch auf Vollständigkeit und Ausschließlichkeit der Inhalte gestellt. Die in diesem Beitrag zur Verfügung gestellten Informationen sind unverbindlich, ersetzen keine juristische Beratung und stellen keine Rechtsauskunft dar.

FAQ

In diesem Kapitel findest du Antworten auf Fragen zum Online-Shop-Verkauf, die häufig gestellt werden.

Quellen:

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