Recruitment Marketing: Definition und Strategien, wie du 2024 die besten Bewerber für einen Job findest

Aktualisiert am 05.01.2024
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Die Suche nach Bewerbern gestaltet sich in vielen Branchen schwierig. Es gibt viele offene Stellen, aber nur wenige geeignete Kandidaten: Knapp 51 Prozent aller Unternehmen geben an, keine passenden Arbeitskräfte zu finden. Das führt dazu, dass knapp 66 Prozent aller Betriebe offene Stellen über einen langen Zeitraum nicht besetzen können.

Das kannst du ändern, indem du mit Recruitment Marketing (auch: Recruiting Marketing) beginnst. Dabei versuchst du gezielt, eine positiv konnotierte Arbeitgebermarke zu werden und potenziellen Mitarbeitern zu zeigen, wieso es sich lohnt, bei dir zu arbeiten. Denn hochspezifizierte Fachleute können sich heutzutage quasi frei aussuchen, wo sie arbeiten möchten. Der Trend der Remote-Arbeit hat diesen Umstand noch einmal verstärkt.

In diesem Beitrag beleuchten wir, was Recruitment Marketing genau ist, was es dir bringt und wie du es erfolgreich umsetzen kannst, um die besten Bewerber zu finden.

Was sind die Ziele von Recruitment Marketing?

Recruitment erfordert heutzutage einiges an Know-how über die aktuellen Wünsche deiner Zielgruppe. Immerhin musst du deine Kampagnen auf eine Vielzahl von verschiedenen Bewerbern ausrichten und diese authentisch ansprechen.

Mit Recruitment Marketing verfolgst du verschiedene Ziele, die deinem Unternehmen deutliche Vorteile verschaffen:

  • Du bringst Interessenten dazu, sich bei dir zu bewerben
  • Es gehen mehr Bewerbungen qualifizierter Kandidaten ein
  • Dein Unternehmen wird als Arbeitgeber bekannter 
  • Du baust eine Pipeline für das Recruiting auf, sodass stetig Bewerbungen eingehen
  • Du hebst dich von anderen Arbeitgebern ab

Wenn du das Recruitment Marketing gewissenhaft angehst und ausreichend Zeit investierst, werden sich diese Mühen auszahlen. Das absolut wichtigste Ziel dabei ist es, mehr Bewerbungen von gut qualifizierten Kandidaten zu erhalten, die zu deinen Stellen und deinem Unternehmen passen. 

Wieso ist Recruitment Marketing so wichtig für Unternehmen? 

Viele Unternehmen stehen heutzutage vor einem riesigen Problem: Sie finden keine neuen Mitarbeiter. Die Stellenanzeigen häufen sich, während kaum passende Bewerbungen eingehen. Allein in Deutschland waren im ersten Quartal des Jahres 2022 knapp 1,74 Millionen Stellen unbesetzt. Woran liegt das?

Der Bewerbungsprozess hat sich gewandelt

In den meisten Fällen gibt es dafür eine einfache Erklärung: Die Stellensuche, wie wir sie seit Jahrzehnten kennen, hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. 

Wer auf der Suche nach einem neuen Job ist, nutzt dafür die modernen Möglichkeiten der heutigen Zeit. Dazu zählen auch die sozialen Medien oder das Lesen von Arbeitgeberbewertungen auf Plattformen wie kununu.

Hinzu kommt, dass es heute viele hochqualifizierte Arbeitskräfte gibt, die sehr gefragt sind. Ein nur durchschnittliches Gehalt und wenige Benefits sorgen dafür, dass diese sich nicht bei dir bewerben. Wenn du spezialisierte Mitarbeiter finden möchtest, muss nicht nur die Bezahlung stimmen – auch die Arbeitsbedingungen (etwa die Option auf Remote-Arbeit) sind für viele Bewerber sehr wichtig.

Es gibt deutlich mehr Konkurrenz

Unternehmen, die nach neuen Mitarbeitern suchen, wünschen sich natürlich, dass sich motivierte und gut qualifizierte Kandidaten bewerben. Dafür muss deine Karriereseite erst einmal gefunden werden und anschließend auch überzeugen.

Genau diese Themen gehst du im Rahmen des Recruitment Marketings an. Denn wieso sollten Arbeitnehmer sich ausgerechnet bei dir bewerben? Für dein Recruitment ist es fundamental, dass die Karrieremöglichkeiten in deinem Unternehmen genauestens und mit all ihren Vorteilen vorgestellt werden. Nur dann kannst du qualifizierte Talente von dir überzeugen.

Ein Best-Practice-Beispiel: Bei Mercedes finden Bewerber neben jeder Stellenanzeige eine genaue Übersicht aller Benefits. Und damit ist nicht kostenloses Obst gemeint: Es wird Coaching angeboten, Eltern können eine Kinderbetreuung in Anspruch nehmen und hybrides Arbeiten mit flexiblen Arbeitszeiten ist ebenfalls möglich.

Recruitment Management Screenshot Mercedes Stellenanzeige
Screenshot: Mercedes.

Die technischen Möglichkeiten haben sich gewandelt

Wenn du Talente für dein Team gewinnen möchtest, ist es wichtig, dass du dich als zeitgemäßer Arbeitgeber präsentierst. Dank der technischen Entwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnte kannst du es potenziellen Mitarbeitern besonders leicht machen, sich bei dir zu bewerben. Nutze beispielsweise ein Bewerbungsformular, das Kandidaten schnell mit ihren Infos füllen können. 

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Muss ein Motivationsschreiben wirklich sein?

Übrigens: Bewerber sind einer StepStone-Umfrage zufolge besonders häufig davon genervt, wenn sie für eine Stelle ein individuelles Anschreiben formulieren müssen. Viele Unternehmen verzichten deshalb mittlerweile auf Anschreiben und wünschen nur einen Lebenslauf.

Alternativ kannst du auf Tools für das Bewerbermanagement zurückgreifen – Interessenten können sich dann auch direkt über die verwendete Plattform bewerben. Das hat den Vorteil, dass du kein eigenes Bewerbungsformular einrichten musst.

Viele Betriebe bieten inzwischen auch Bewerbungen per WhatsApp an – das ist vor allem bei kleineren Firmen beliebt. Du fügst dafür einfach die entsprechende Nummer in deine Stellenanzeige ein. Bewerber können anschließend direkt mit der HR-Abteilung oder zunächst mit einem Chatbot kommunizieren.

Mit diesen 5 Strategien betreibst du ein erfolgreiches Recruitment Marketing

Wie bei vielen Disziplinen des Marketings solltest du auch das Recruitment Marketing nicht ohne Strategie angehen. Wichtig ist, dass du dich auf die Bereiche fokussierst, die für dein Unternehmen entscheidend sind. Welche das sind, hängt maßgeblich von deiner Zielgruppe ab.

5 Strategien für das Recruitment Marketing

Nutze die sozialen Medien

Laut einer Umfrage waren im Jahr 2022 90 Prozent aller Unternehmen weltweit auf Facebook aktiv. Das liegt vor allem daran, dass ihre Kunden dort ebenfalls vertreten sind. Du findest aber nicht nur deine Kundschaft auf Facebook, Instagram und Co., sondern auch potenzielle Mitarbeiter.

Die sozialen Medien haben inzwischen einen riesigen Einfluss auf den Bewerbungsprozess – schließlich verbringen viele Menschen mehrere Stunden am Tag in den Netzwerken. Für dein Recruiting Marketing bietet dies wertvolle Optionen, die du nutzen kannst:

  1. Mache deine Follower gezielt darauf aufmerksam, dass du derzeit offene Stellen hast. Dafür reicht ein einfacher Post mit einer Übersicht der verfügbaren Positionen und einer kurzen Beschreibung. 
  2. Weise dabei auf die wichtigsten Faktoren hin: Was bietest du deinen Mitarbeitern? Wie hebst du dich von anderen Arbeitgebern ab? Wieso sollten sich Bewerber für dich entscheiden? 
  3. Dabei ist wichtig, dass du deinen Followern auch direkt mitteilst, wie sie sich bewerben können. 

Mehr zu dem Thema erfährst du in unserem Beitrag über das Social Recruiting

Arbeite an deinem Employer Branding

Die wichtigste Strategie für das Recruitment Marketing ist die Verbesserung deines Employer Brandings. Dabei sorgst du mit gezielten Maßnahmen dafür, dass du als attraktiver Arbeitgeber wahrgenommen wirst. Spezialisierte Arbeitskräfte sind heiß begehrt: Du musst sie von dir als Arbeitgeber überzeugen! 

Die Punkte dieser Liste können dir dabei helfen, dein Employer Branding zu verbessern:

  • Benefits: Es ist enorm wichtig, dass du hervorhebst, welche Benefits du deinen Mitarbeitern bietest. Dazu gehören beispielsweise die Zahlung von Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die Möglichkeit zum Homeoffice oder die Anzahl der Urlaubstage. Kommuniziere diese wertvollen Punkte deutlich sichtbar.
  • Bewertungen: Unternehmen können heute auf den verschiedensten Plattformen als Arbeitgeber bewertet werden. Schau dir das Feedback von aktuellen und ehemaligen Mitarbeitern an und gehe bei Bedarf darauf ein. Nimm die Kritik aus negativen Bewertungen ernst und beantworte sie professionell.
  • Kommunikation: Pflege eine offene Kommunikation mit deinen Bewerbern. Dazu gehört beispielsweise, dass alle relevanten Informationen über einen Job frei verfügbar sind. Wenn bestimmte Daten zurückgehalten werden, kann das interessierte Kandidaten abschrecken. 
  • Besonderheit: Verdeutliche schon in der Stellenbeschreibung, was dich als Arbeitgeber von der Konkurrenz unterscheidet. Bleibe dabei unbedingt ehrlich, aber präsentiere dich in einem guten Licht. 
  • Authentizität: Bewerbern ist es heutzutage besonders wichtig, dass Unternehmen authentisch sind. Wenn die Versprechen auf deiner Website nicht mit den Bewertungen von ehemaligen Mitarbeitern zusammenpassen, wenden sich Interessenten möglicherweise ab. Achte also auf ein stimmiges Branding, das überzeugt.

Recruitment Marketing ist ebenso wie dein Employer Branding eine langfristige Aufgabe, die nie wirklich abgeschlossen wird. Mit den richtigen Strategien und dem nötigen Durchhaltevermögen wirst du es jedoch schaffen, den Bewerbungsprozess in deinem Unternehmen nachhaltig zu optimieren: Damit kommst du dem Ziel, bessere Bewerber zu finden, ein ganzes Stück näher. 

Verfasse zielgruppenspezifische Stellenausschreibungen und Karrierebereiche

Es ist nicht nur wichtig, wo du deine Stellenausschreibungen veröffentlichst, sondern auch, wie du sie formulierst. Du brauchst passende Inhalte, wenn du Bewerber von dir überzeugen möchtest.

Nutze nicht einfach eine Standard-Beschreibung des Jobs: Schreibe etwas Individuelles, das die tatsächlichen Aufgaben und Herausforderungen wiedergibt. Deine Stellenanzeige sollte aber nicht nur eine Beschreibung des Jobs beinhalten, sondern auch dein Unternehmen vorstellen.

Dabei ist es besonders wichtig, dass du deinen Content auf potenzielle Bewerber zuschneidest. Stelle dir dafür beispielsweise folgende Fragen:

  • Welche Aspekte sind Kandidaten bei einem neuen Job wichtig?
  • Welche Informationen benötigen Interessenten, um sich für eine Bewerbung zu entscheiden?
  • Wieso möchten Bewerber ihren aktuellen Job verlassen? 
  • Was sind No-Gos für eine Stelle?

Mithilfe dieser Informationen solltest du eine Beschreibung verfassen, die die Bedürfnisse potenzieller Bewerber aufgreift. Dadurch erhöhst du die Chancen deutlich, dass passende Bewerbungen eingehen und sich die Kandidaten schlussendlich für dich entscheiden. 

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Der acquisa-Expertentipp

Binde Bewertungen von Plattformen wie kununu in deine Karriereseiten ein. Genau wie im E-Commerce schaffen die Bewertungen anderer Menschen Orientierung für Jobsuchende.

Nutze Automationen

HR muss eine ganze Menge Zeit aufwenden, um Bewerbungen zu prüfen. Das liegt vor allem daran, dass alle eingehenden Bewerbungen manuell geprüft und beantwortet werden müssen. Es gibt inzwischen zahlreiche Möglichkeiten, mit denen dieser Prozess automatisiert wird.

Über Tools für das Bewerbermanagement kannst du bei der Einreichung einer Bewerbung bestimmte Punkte abfragen. Der Bewerber muss beispielsweise angeben, wie viele Jahre Berufserfahrung er hat, wie gut er eine bestimmte Sprache spricht oder mit welchen Programmen er sich auskennt.

Du kannst darüber automatisch selektieren, welche Bewerbungen du dir näher anschauen möchtest. Du musst somit nicht jede E-Mail einzeln beantworten und kannst neue Mitarbeiter deutlich schneller rekrutieren.

Miss deine Erfolge

Du hast dein Bewerbungsmanagement automatisiert? Es existieren weitere Technologien, die für dein Recruiting Marketing von Nutzen sein können. Die Möglichkeiten, wie du den Erfolg deiner bisherigen Kampagnen messen kannst, sind vielfältig. Dafür brauchst du nicht einmal unbedingt ein entsprechendes Tool.

Nehmen wir an, du hast in den sozialen Medien einen Post veröffentlicht und darin deine offenen Stellen präsentiert. Den Link zu deinem Bewerbungsformular können Interessenten direkt in der Beschreibung finden.

Beobachte in den kommenden Tagen und Wochen, ob mehr Bewerbungen eingehen und wie die Qualität dieser ist. Dadurch bekommst du ein Gefühl dafür, mit welchen Kampagnen du potenzielle Bewerber ansprichst. Tools für das Bewerbungsmanagement haben häufig integrierte Analysefunktionen, die diese Auswertung für dich übernehmen.

Praxisbeispiele für modernes und effektives Recruitment Marketing

Dass es gar nicht so schwer ist, potenzielle Mitarbeiter mithilfe von Recruitment Marketing anzusprechen, zeigen zahlreiche Beispiele. Zwei Erfolgsgeschichten von bekannten Unternehmen stellen wir dir nun kurz vor.

Cisco

Bei Cisco wird das Unternehmen nicht nur durch die Geschäftsführung repräsentiert: Die Mitarbeiter selbst stellen sich, die Stimmung in den Teams und die Arbeitsbedingungen vor. Jobsuchende erhalten somit einen authentischen Einblick in das Unternehmen.

Recruitment Management Screenshot Cisco Recruiting
Screenshot: Cisco.

Es gibt sogar einen eigenen Kanal auf Twitter, auf dem die Mitarbeiter und ihre Erfolge vorgestellt werden. Dabei präsentiert sich das Unternehmen als modern, offen und flexibel.

Eurowings

Eurowings hat sich 2018 das Ziel gesetzt, die User Experience in ihren Stellenausschreibungen zu verbessern. Jobs wurden dafür auf Tinder präsentiert: Interessierte konnten einfach nach rechts oder links wischen, um mit verschiedenen Stellenanzeigen zu matchen. Inzwischen ist die Kampagne eingestellt – das Beispiel zeigt jedoch, dass es viele kreative Methoden für das Recruitment Marketing geben kann.

Fazit: Du möchtest zeitnah qualifizierte Bewerbungen erhalten? Mit Recruiting Marketing ist das möglich!

Wenn du auf der Suche nach neuen Mitarbeitern bist und zeitnah gute Bewerbungen bekommen möchtest, solltest du einen Blick auf Recruitment Marketing werfen. Du präsentierst dich als attraktiver Arbeitgeber und bringst potenzielle Mitarbeiter damit dazu, sich bei dir zu bewerben.

Der Vorteil dabei ist, dass du langfristig von deinen Mühen profitierst. Die Anzahl der eingehenden Bewerbungen steigt dauerhaft, sodass du auch zukünftige Stellen leichter besetzen kannst.

FAQ

Du bist zu dem Schluss gekommen, dass Recruitment Marketing genau das Richtige für dein Unternehmen sein könnte? Am liebsten würdest du gleich damit starten? Schau dir gerne die Fragen und Antworten aus diesem Kapitel an – sie liefern dir weitere wichtige Informationen.

Quellen:

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