Selbstständig machen ohne Eigenkapital: Strategien und Tipps für 2024

Von Miriam Prellwitz,
Aktualisiert am 05.01.2024 | Lesezeit ca. Min.

Du hast eine gute Geschäftsidee und träumst davon, sie umzusetzen? Gleichzeitig bringst du wichtige unternehmerische Fähigkeiten mit? Dann steht deinem Start in die Selbstständigkeit erstmal nichts im Wege. 

Einen wichtigen Punkt darfst du jedoch nicht vergessen: das Geld. Wenn du dich selbstständig machen möchtest, ist das mit Kosten verbunden, die du zunächst vorstrecken musst. Und mit solchen, die du während deiner Selbstständigkeit regelmäßig zahlen musst.

Viele angehende Gründer fragen sich deshalb völlig zurecht, ob sie sich überhaupt ohne Eigenkapital selbstständig machen können. In diesem Artikel erfährst du, wie es dir gelingt, auch ohne großes Startkapital die Selbstständigkeit anzutreten.

Ist es möglich, sich ohne Eigenkapital selbstständig zu machen?

Wenn du dein eigenes Unternehmen gründen möchtest, ist die Finanzierung enorm wichtig. Nur wenn deine Geschäftsidee erfolgversprechend ist, wirst du auf lange Sicht davon leben können.

Jedoch befinden sich nicht alle Gründer in der privilegierten Situation, das Unternehmen mit viel Eigenkapital oder mit einem Kredit aufbauen zu können. Das ist kein Grund zum Aufgeben: Es gibt durchaus Möglichkeiten, sich auch ohne großes Startkapital selbstständig zu machen.

Dabei kommt es ganz darauf an, in welcher Branche du tätig bist. Davon hängt ab, wie viel Kapital du am Anfang investieren musst. Folgende Posten können dafür in Betracht kommen:

  • Hard- und Software
  • Mobiliar
  • Angestellte
  • Miete
  • Ware
  • Fort- und Weiterbildungen
  • Berufsspezifische Ressourcen

Nicht alle Selbstständigen benötigen zwingend ein eigenes Büro in bester Lage mit modernsten Geräten. Viele von ihnen arbeiten von Zuhause aus und müssen dafür weitaus weniger Kapital mitbringen. 

Wenn du dich fragst, ob du dich ohne Eigenkapital selbstständig machen kannst, solltest du zunächst festhalten, für welche Posten du überhaupt Geld benötigst und wie hoch die Kosten insgesamt wären. Diese Frage beantwortest du zum Beispiel, indem du einen Businessplan erstellst. Das ist für den Start in die Selbstständigkeit sowieso dringend zu empfehlen.

In welchen Branchen sind besonders viele Selbstständige zu finden?

Die Zahl der Selbstständigen steigt in Deutschland stetig an. Jedes Jahr entscheiden sich mehr Menschen dazu, ihr Geschäftsvorhaben in die Tat umzusetzen und ein Unternehmen zu gründen. Zum 1. Januar 2022 waren 1,471 Millionen Menschen in Deutschland selbstständig tätig. Zehn Jahre zuvor waren es noch 1,192 Millionen.

Die Existenzgründung ist anscheinend für viele Menschen die beste Möglichkeit, sich beruflich zu entfalten und weiterzuentwickeln. Das gilt vor allem für die freien Kulturberufe: Sie machen mit rund 344.000 Personen den größten Teil unter den Selbstständigen in Deutschland aus. Dahinter folgen freie Heilberufe sowie rechts-, wirtschafts- und steuerberatende Berufe. Auch Ärzte, Rechtsanwälte und Zahnärzte sind in Deutschland selbstständig tätig.

Anzahl der Selbstständigen in Deutschland nach Branche

Ob du dich ohne Eigenkapital selbstständig machen kannst, hängt von deinem Beruf ab. Wenn du zum Beispiel eine Zahnarztpraxis eröffnen möchtest, hast du einen recht hohen Kapitalbedarf: du musst eine Praxis anmieten, die benötigten Geräte kaufen und Angestellte finden.

Machst du dich jedoch als Fotograf selbstständig, fallen die Kosten deutlich geringer aus. Du investierst in eine professionelle Ausrüstung und einen guten Webauftritt. Diese Kosten kannst du möglicherweise auch ohne großes Eigenkapital stemmen.

8 Strategien für einen erfolgreichen Start in die Selbstständigkeit ohne Eigenkapital

Du suchst nach Ideen, wie du dich ohne Eigenkapital selbstständig machen kannst? Heutzutage gibt es die unterschiedlichsten Finanzierungsmethoden, mit denen du das nötige Startkapital für deine Gründung erhalten kannst.

In diesem Kapitel stellen wir die acht Möglichkeiten zur Fremdkapitalbeschaffung vor, die für dich in Betracht kommen könnten.

1. Beantrage einen Gründerkredit bei der KfW

Die Existenzgründung wird in Deutschland durch attraktive Kredite aktiv gefördert. Dafür kannst du dich an die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) wenden: Diese vergibt Förderkredite, die besonders leicht zu erhalten und teilweise sogar tilgungsfrei sind.

Derzeit werden von der KfW vier Kredite für Gründer angeboten:

  • Kredit 067, ERP-Gründerkredit: Die Höhe des Kredits kann bis zu 125.000 Euro betragen und dient angehenden Gründern als Startgeld. Mit dem Geld können Investitionen und laufende Kosten gedeckt werden. Das gilt auch, wenn du der Selbstständigkeit erst einmal nur im Nebenerwerb nachgehst. Der Kredit kann bis zu fünf Jahre nach der Gründung beantragt werden.
  • Kredit 058, ERP-Kapital: Mit diesem Kredit kannst du bis zu 500.000 Euro erhalten, die als Stärkung des Eigenkapitals angesehen werden. In den ersten sieben Jahren ist er tilgungsfrei – du musst nur die Zinsen zahlen. Dieser Kredit kann bis zu drei Jahre nach Gründung in Anspruch genommen werden.
  • Kredit 365, 366, ERP-Fördermittel: Dieser Kredit richtet sich an kleine und mittlere Unternehmen sowie Freiberufler. Die Höhe kann bis zu 25 Millionen Euro betragen und es können Zinsvorteile genehmigt werden.
  • Kredit 375, 376, KfW-Förderkredit großer Mittelstand: Wenn du ein wirklich großes Unternehmen finanzieren möchtest, kannst du mit diesem Kredit bis zu 25 Millionen Euro erhalten, wenn dein Jahresumsatz maximal 500 Millionen betragen wird. Auch hier ist der leichte Kreditzugang einer der größten Vorteile.

2. Suche einen Investor für dein Vorhaben

Bei einigen Geschäftsideen ist es möglich, Fremdkapital von einem Investor zu erhalten. Du musst dich also nicht an eine Bank oder ein Förderinstitut wenden, sondern überzeugst einen Investor mit den nötigen finanziellen Mitteln von deinem Geschäftsmodell.

Der wichtigste Punkt bei einer Fremdkapitalbeschaffung ist dabei, dass deine Idee und dein Businessplan schlüssig sind. Investoren stellen nur dann finanzielle Ressourcen zur Verfügung, wenn sie auf einen anschließenden Erfolg hoffen. Bevor du dich also an potenzielle Geldgeber wendest, solltest du dein Vorhaben genauestens ausarbeiten und souverän präsentieren können.

Neben Investoren gibt es auch die sogenannten Business Angels. Diese unterstützen dich nicht nur mit Finanzierungssummen, sondern stellen dir auch ihr Know-how zur Verfügung. Ein solcher Mentor stellt dann beispielsweise die Kontakte zu Lieferanten oder anderen Dienstleistern her oder zeigt dir Strategien auf, die für dich erfolgversprechend sein könnten.

Lies mehr zu diesem Thema in unserem ausführlichen Artikel Investoren finden für deine Geschäftsidee: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

3. Nutze ein Franchise-Modell

Eine weitere Idee, wie du dich ohne Eigenkapital selbstständig machen kannst, ist eine Franchisepartnerschaft. Du kennst dieses Geschäftsmodell vermutlich von Restaurants und Fast-Food-Ketten. 

Das Prinzip dahinter ist einfach: Du bewirbst dich als Lizenznehmer bei einem Unternehmen, das Franchisepartnerschaften anbietet. Wenn du mit deinen persönlichen Fähigkeiten überzeugst, kannst du in der Regel zeitnah anfangen.

Du nutzt dann das Konzept des Franchiseunternehmens, leitest dein Geschäft aber selbst. Bei diesem Modell brauchst du in der Regel überhaupt kein Eigenkapital und musst dich auch nicht an ein Förderinstitut wenden, da dir alle nötigen Ressourcen zur Verfügung gestellt werden.

Wichtig dabei ist, dass du vorab genau prüfst, ob Franchise auch zu dir passt. Du bist dann zwar selbstständig, kannst aber nicht alles frei entscheiden, da du dich an ein vorgegebenes Konzept halten musst.

4. Bemühe dich um eine geförderte Bürgschaft

Eine beliebte Finanzierungsmethode bei Gründern ist das Aufnehmen von Krediten. Diese sind jedoch häufig an Sicherheitseinlagen gebunden. Damit möchte die Bank dafür sorgen, dass sie das Geld im Falle eines Zahlungsausfalls trotzdem bekommt. Dafür werden dann beispielsweise Immobilien als Sicherheit hinterlegt.

Wenn du jedoch keine Sicherheitseinlagen vorzuweisen hast, kannst du eine geförderte Bürgschaft in Anspruch nehmen. Jedes Bundesland in Deutschland hat eine Bürgschaftsbank. Wenn du für einen Kredit keine Sicherheiten vorweisen kannst, kann eine Bürgschaftsbank einspringen. Diese trägt dann das Risiko für deinen Kreditausfall und sorgt im Ernstfall für die Haftungsfreistellung.

Damit die Bank für dich bürgt, brauchst du ein überzeugendes Geschäftsvorhaben. Dein Konzept muss schlüssig und erfolgversprechend sein – nur dann wird eine Bank für deine Kreditverpflichtungen bürgen.

5. Versuche es mit Crowdfunding

Bereits seit einigen Jahren ist das Crowdfunding, auch Schwarmfinanzierung genannt, eine gute Idee, mit der du dich ohne Eigenkapital selbstständig machen kannst. Gründungswillige stellen ihr Vorhaben samt Finanzierungsziel dafür auf einer Plattform für Crowdfunding ein – anders als bei anderen Finanzierungsformen investiert dann nicht nur eine Person oder Institution in dich, sondern eine große Gruppe von Menschen.

Die Crowd, die Geld in dich investiert hat, bekommt nach Erreichen des Finanzierungsziels eine Unternehmensbeteiligung, wird ausbezahlt oder auf anderem Wege entschädigt. Wichtig dabei ist, dass du für die Schwarmfinanzierung eine Idee brauchst, die viele Menschen anspricht. Crowdfunding ist dann besonders erfolgreich, wenn das Projekt für die breite Masse interessant und nützlich erscheint.

6. Nimm eine Hypothek auf

Wenn du keinen Gründerkredit aufnehmen möchtest, kann eine Finanzierungsalternative das Aufnehmen einer Hypothek sein. Das geht natürlich nur dann, wenn du Eigentum oder andere Werte besitzt, die du beleihen kannst. Auch das Verpfänden von Werten ist eine Möglichkeit.

Bei beiden Optionen solltest du dir jedoch im Klaren darüber sein, dass ein Scheitern deiner Geschäftsidee verheerende Konsequenzen haben kann. Im schlimmsten Fall verlierst du im Rahmen der Haftungsfreistellung deine Immobilie, die du mit einer Hypothek beliehen hast. Diese Möglichkeit solltest du also nur im Notfall in Betracht ziehen.

7. Schließe dich mit anderen Gründern zusammen

In vielen Branchen ist die Expertise heutzutage sehr hoch – deshalb kann es für dich von Vorteil sein, wenn du dich mit anderen Gründungswilligen zusammenschließt. Vielleicht findest du in Selbsthilfeeinrichtungen jemanden, der ähnliche Ideen hat wie du oder sich von deinem Vorhaben überzeugen lässt.

Wenn du mit anderen Personen zusammen gründest, kann das deine Chancen auf Fremdkapital erhöhen. Möglicherweise bringt einer der anderen Gründer sogar Eigenkapital mit oder kann einen Kredit aufnehmen. 

Wichtig ist, dass du immer darauf achtest, dich abzusichern. Verlasse dich nicht auf mündliche Absprachen, sondern setze detaillierte Verträge auf, in denen die Geschäftsbeziehung definiert wird.

8. Starte erst einmal nebenberuflich in die Selbstständigkeit

Wenn die vorgestellten Finanzierungsformen und Strategien zur Fremdkapitalbeschaffung für dich nicht infrage kommen, solltest du überlegen, erst einmal nebenberuflich in die Selbstständigkeit zu starten. Das bietet sich zwar nicht für alle Berufe an, aber für viele. Dieses Modell hat für dich den Vorteil, dass du dir langsam etwas aufbauen kannst und erste Einnahmen sammeln kannst.

Ob du anschließend noch auf Fremdkapital angewiesen bist, wirst du mit der Zeit sehen. Der nebenberufliche Start in die Selbstständigkeit hat für dich außerdem den Vorteil, dass du testest, ob dein Geschäftsmodell funktioniert. Tut es das nicht, bist du über deinen eigentlichen Job abgesichert.

Was ist die beste Strategie, um sich ohne Eigenkapital selbstständig zu machen? 4 Fragen, die du dir stellen solltest

Es gibt die verschiedensten Ideen, wie du dich ohne Eigenkapital selbstständig machen kannst. Dabei gibt es jedoch nicht den einen richtigen Weg, der für alle Gründer passt. Wenn du nicht weißt, wie du die Kapitalbeschaffung angehen sollst, solltest du dir folgende Fragen stellen:

  1. Brauchst du Eigenkapital? Frage dich, ob du überhaupt Fremdkapital benötigst. Es ist nicht immer notwendig, gleich am Anfang hohe Summen zu investieren. Auch mit kleinen finanziellen Mitteln kann eine Selbstständigkeit erfolgreich aufgebaut werden.
  2. Kommt ein Kredit für dich infrage? Wenn du dich ohne Eigenkapital selbstständig machen möchtest, ist es am einfachsten und vermutlich auch am schnellsten, einen Kredit zu beantragen. Dafür kannst du dich direkt an eine Bank wenden, dir das Angebot der KfW anschauen oder im Zweifel auf die Hilfe einer Bürgschaftsbank setzen. Sei dir jedoch im Klaren darüber, dass Kreditverpflichtungen auf dich zukommen, die du stemmen musst. Informiere dich deshalb genau über alle Details und den entsprechenden Tilgungsplan.
  3. Welche Förderungsalternativen passen zu dir? Wenn du keinen Kredit in Anspruch nehmen möchtest, stehen dir andere Konzepte zur Wahl. Du kannst Crowdfunding nutzen oder einen Investor suchen. Beachte, dass diese Methoden länger dauern können und nicht zwingend erfolgreich sind.
  4. Wie möchtest du gründen? Wenn es um die Finanzierung geht, solltest du zuvor genau definieren, wie du dir deine Gründung vorstellst. Frage dich, ob du dich mit anderen Gründern zusammenschließen möchtest oder die Arbeit als Franchise-Nehmer für dich infrage kommt. Entscheide, ob du Vollzeit als Selbstständiger arbeiten möchtest oder erst einmal nebenberuflich startest.

Wenn du Hilfe bei deiner Existenzgründung benötigst, kannst du dich an professionelle Beratungsstellen wenden. Diese gibt es in jeder größeren Stadt und bieten dir die Möglichkeit, dich mit Experten über die verschiedenen Finanzierungsalternativen auszutauschen.

Wie du deinen Kapitalbedarf denken möchtest, hängt von deiner individuellen Situation und deinen Vorstellungen ab. Wichtig ist, dass du dich intensiv mit deiner Gründung beschäftigst und gerade bei der Finanzierung besonders durchdacht vorgehst.

Fazit: Mit der passenden Strategie ist eine Gründung ohne Eigenkapital möglich

Wenn du ein eigenes Unternehmen gründen möchtest, aber kein Eigenkapital mitbringst, hast du die verschiedensten Möglichkeiten, mit denen du deine Idee finanzieren kannst. Schau dir alle Optionen an und entscheide dann, welche am besten zu dir und deinem Vorhaben passt.

Achte dabei darauf, ob die Möglichkeiten realistisch und für dich umsetzbar sind. Lass dich im Zweifel von einer Gründungsberatung unterstützen.

Ob du einen Kredit aufnimmst, einen Investor suchst oder auf Crowdfunding setzt – mit einer überzeugenden Geschäftsidee und einem seriösen Auftritt wird es dir gelingen, eine passende Finanzierung zu finden. Wir wünschen dir dabei viel Erfolg!

FAQ

An dieser Stelle möchten wir einige häufig gestellte Fragen zum Thema beantworten.

Quellen:

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