Social Recruiting – so funktioniert die Mitarbeitergewinnung über Social Media

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Rund 45 Prozent der Deutschen nutzen Social-Media-Plattformen. Auch Unternehmen erkennen das Potenzial der sozialen Netzwerke und werben dort für neue Mitarbeiter. Wie du Social Recruiting für dein Unternehmen nutzen kannst, erfährst du hier.

Warum Mitarbeitergewinnung über soziale Netzwerke?

Mitarbeitergewinnung zielt auf das Erreichen potenzieller neuer Mitarbeiter. Das kann auch über Social Media funktionieren. Denn dort kannst du dein Unternehmen attraktiv darstellen – genauso wie ein Produkt. Das nennt man dann Social Recruiting, Social Hiring oder auch Social Media Recruitment. Potenzielle Jobkandidaten werden gezielt angesprochen, das Unternehmen wird aktiv und wartet nicht auf Bewerbungen auf eine Stellenanzeige. Unternehmen “bewerben” sich daher oft bei interessanten Kandidaten – nicht umgekehrt.

Die Zahl der Social-Media-Nutzer steigt stetig und User verbringen eine ganze Menge Zeit auf den Plattformen: Der Digital 2020 Report für Deutschland von Hootsuite und We Are Social gibt an, dass User rund 4 Stunden und 52 Minuten pro Tag das Internet nutzen  – davon 1 Stunde und 19 Minuten in sozialen Netzwerken. Genau da solltest du potenzielle Mitarbeiter ansprechen. Dein Vorteil: Du kannst zielgerichtet nach passenden Kandidaten suchen und diese direkt kontaktieren. So sprichst du auch User an, die vielleicht gar nicht aktiv auf Jobsuche sind. Das nennt man Active Sourcing.

Employer Branding: Zeige, wofür dein Unternehmen steht

Gib potenziellen Kandidaten Einblicke in dein Unternehmen und definiere deinen Unternehmensauftritt. Das sogenannte Employer Branding steht für die Positionierung und Kommunikation als attraktiver Arbeitgeber und zielt auf die Schaffung einer sogenannten Arbeitgebermarke. Zeige Strukturen, Abläufe und vor allem Werte deines Unternehmens – denn Authentizität weckt Interesse und Sympathie. Mit Employer Branding kannst du neue Mitarbeiter für dich gewinnen und von deinem Unternehmen überzeugen.

Stelle dir folgende Fragen:

  • Was macht dein Unternehmen aus?
  • Was macht dein Unternehmen als Arbeitgeber aus?
  • Wofür steht dein Unternehmen und was sind langfristige Ziele?
  • Was hebt dich von anderen Unternehmen ab?
  • Welche Benefits bietest du deinen Mitarbeitern?
  • Warum sollten bestehende Mitarbeiter in deinem Unternehmen bleiben?
  • Warum sollten neue Mitarbeiter in deinem Unternehmen anfangen?

Mit diesen Antworten kannst du deine Employer Value Proposition (EVP) – also dein Alleinstellungsmerkmal als Arbeitgeber – definieren. Der Begriff orientiert sich am Unique Selling Point (USP), der die Besonderheiten eines Produktes hervorhebt.

Warum ist eine EVP so wichtig?

Eine ganzheitliche EVP ist das zentrale Element deiner Arbeitgebermarke. Wenn du weißt, was essenzielle Eigenschaften deines Unternehmens sind, ist es einfacher, an deiner Employer Brand zu arbeiten und diese aktiv zu kommunizieren.

Mit einer guten Arbeitgebermarke sprichst du zudem nicht nur potenzielle neue Beschäftigte an, sondern auch deine bestehenden Mitarbeiter. Employer Branding wirkt nach innen und außen. Zufriedene Mitarbeiter arbeiten produktiver und effektiver. Schaffe also einen Wiedererkennungswert und sprich Bewerber und Mitarbeiter an.

Content-Strategie und die richtige Ansprache

Mit deinen Wertversprechen und deiner Employer Value Proposition kannst du einen Kommunikationsplan und eine Content-Strategie entwickeln. Denn: Dein Content muss inhaltlich überzeugen und eine Strategie verfolgen.

Überlege dir also zunächst, auf welchen Recruitingkanälen (Social-Media-Kanälen) du potenzielle Mitarbeiter ansprechen möchtest. Nach Statista-Untersuchungen zählen Facebook, YouTube und WhatsApp, gefolgt von Instagram und TikTok, zu den beliebtesten Social-Media-Plattformen im Jahr 2021. Die Wahl der passenden Plattform hängt dabei natürlich von deinem Unternehmen und deiner Zielgruppe ab.

Hast du dich für eine Plattform entschieden, folgt die Planung deiner Inhalte.

  • Was möchtest du potenziellen Mitarbeitern zeigen – und in welchem zeitlichen Abstand? 
  • Welches Material brauchst du (Fotos, Videos, Artikel, etc.)?
  • Wie können deine Mitarbeiter als “Markenbotschafter” tätig werden?

Auch über die Ansprache potenzieller Mitarbeiter solltest du dir Gedanken machen. Auf Facebook und Instagram ist die Kommunikation locker und du kannst die User per “Du” ansprechen. Business-Plattformen wie XING und LinkedIn bevorzugen die professionelle Ansprache mit “Sie”.

Nutze auf Instagram einen Business-Account

Auf Instagram kannst du mit kreativen Bildern und motivierenden Videos besonders die junge Generation ansprechen. Aktuelle Studien zeigen, dass die meisten Instagram-Nutzer zwischen 25 und 34 Jahre alt sind. Über die Kommentarfunktion oder den Direct Messenger kannst du dich mit deinen Followern austauschen und so individuell auf sie eingehen.

Exklusive Einblicke, beispielsweise ins Team, gibst du mit der Story-Funktion. Instagram Stories sind für 24 Stunden verfügbar und werden anschließend gelöscht. Auch hier kannst du dir ein Konzept überlegen, wie du deine Follower auf dem Laufenden halten möchtest. Begleite beispielsweise ein Teammitglied bei seinem Arbeitsalltag. Poste Fotos oder kurze Videos über den Tag verteilt, um Follower immer wieder anzusprechen.

Das Business-Profil bietet dir Insights und Statistiken zu deinen Beiträgen. Schau dir an, wie viel Impressionen und Reichweite deine Posts generieren. Du kannst sehen, wie viele User sich deine Posts angeguckt haben und wie vielen Nutzern deine Posts angezeigt wurde. Es werden außerdem Profilaufrufe, deine Top-Beiträge und Story-Highlights anzeigt. Mit diesen Informationen kannst du deine Inhalte stetig verbessern und gezielt planen.

Lesetipp

Kein Plan, wie du an ein Business-Profil kommst? Lies unser How to: Ein Instagram Unternehmenskonto erstellen.

Erfolgsbeispiele – so kann Social Recruiting aussehen

Vodafone_Karriere auf Instagram

Das britische Telekommunikationsunternehmen Vodafone betreibt einen eigenen Recruiting-Kanal auf Instagram. Regelmäßig gibt der Konzern Einblicke in das Unternehmen und teilt Informationen zu Karrieremöglichkeiten. Follower lernen Mitarbeiter im Takeover-Format kennen und können Fragen zum Aufgabenbereich oder Bewerbungsprozess stellen.

Kapten & Son Career auf Instagram

Auch das einstige Startup Kapten & Son aus Köln wirbt auf Instagram für das eigene Unternehmen. Beide Beispiele zeigen ein einheitliches Unternehmensbild. Vodafone schafft es, die Corporate Identity des Unternehmens klar widerzuspiegeln. Das Logo oder das Vodafone-Rot sind in jedem Post erkennbar und ziehen sich durch den ganzen Feed. Kapten & Son arbeitet mit einer Mischung aus Bildern und Text-Bildern. Auch hier ist ein klares Konzept zu erkennen. Story-Highlights zeigen unter anderem den Büroalltag und das Team.

Nutze Karrierenetzwerke für das Social Recruiting

XING und LinkedIn sind führende Karriereplattformen in Deutschland und werden schon seit Jahren zur Mitarbeitergewinnung eingesetzt. Auf XING sind aktuell 19 Millionen Mitglieder registriert. LinkedIn kann 756 Millionen Mitglieder weltweit vorweisen, davon kommen 16 Millionen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Der größte Unterschied zwischen den Netzwerken ist das Verbreitungsgebiet: XING ist auf nationale Kontakte beschränkt – LinkedIn bietet ein internationales Netzwerk.

Beide Netzwerke bieten kostenpflichtige Zusatzfunktionen, die das Recruiting erleichtern sollen. Mit dem “Talentmanager” werden dir bei XING passende Kandidaten empfohlen. Der “XING Empfehlungsmanager” gleicht das Netzwerk deiner Mitarbeiter ab und sucht basierend auf deinen Stellenanzeigen nach passenden Kandidaten. Auf LinkedIn hilft das Recruiter Lite Abo, die passende Kandidaten für eine Stelle zu finden. Erweiterte Suchfilter sollen passende Kandidaten sichtbar machen, und auch hier macht das Tool Kandidaten-Vorschläge.

Chancen und Herausforderungen von Social Recruiting

Chancen

Social Media in Unternehmen: Social Media wird auch in Unternehmen immer beliebter. Laut einer aktuellen Umfrage nutzen 93 Prozent der befragten Unternehmen Facebook in ihrem Unternehmen. Instagram wird von 78 Prozent der Marketingverantwortlichen verwendet. Die Plattform hat viel Potenzial, denn 72 Prozent der befragten Unternehmen zielen auf den Ausbau ihrer Instagram-Präsenz.

Reichweite und Zielgruppe: Ein entscheidender Vorteil zu Jobbörsen ist die Reichweite der Plattformen. Auf Social Media kannst du mehr Kandidaten erreichen, denn hier findest du neben Jobsuchenden auch User, die bereits angestellt und eventuell an einem Jobwechsel interessiert sind.

Authentische Informationen: Im Gegensatz zu gewöhnlichen Bewerbungsschreiben bieten Social-Media-Plattformen einen anderen Blick auf potenzielle Kandidaten. Private Social-Media-Profile offenbaren authentische Informationen über einen User und zeigen ganz andere Charaktereigenschaften, als das im Lebenslauf der Fall ist. Das können auch Unternehmen für sich nutzen. Zeige dich auf deinen Social-Media-Profilen authentisch und transparent, denn das schafft Sympathie und Vertrauen bei deinen Followern und potenziellen Jobkandidaten.

Herausforderungen

User sind nicht zwingend auf Jobsuche: Der Großteil aller Social-Media-Nutzer nutzt die Plattformen für private Zwecke. Du brauchst also individuelle Konzepte, die das Interesse der User an deinem Unternehmen wecken. Auch die Ansprache muss auf das Nutzerverhalten angepasst werden. Sei unterhaltsam und kreativ, um die Aufmerksamkeit der User für dich zu gewinnen. Auf Instagram gilt: Nur Beiträge, die innerhalb der ersten Minuten gut performen, haben eine Chance, unter den Top-Beiträgen aufzutauchen.

Unterschiedliche Zielgruppen: Jede Social-Media-Plattform bietet eine andere Alters- und Zielgruppe. Bei der Wahl der richtigen Plattform solltest du dich ausgiebig mit den Nutzergruppen und den Potenzialen der einzelnen Plattformen beschäftigen.

Bewerbungs- und Auswahlprozesse: Vermeide langsame und umständliche Prozesse. Social-Media-Nutzer erwarten schnelle und direkte Rückmeldung. Biete die Möglichkeit an, sich mit einem Klick zu bewerben, und nutze Möglichkeiten digitaler Kennenlerngespräche.

Social Recruiting: Antworten auf häufige Fragen

Ist Social Recruiting eine Aufgabe von HR oder der Social-Media-Marketing-Abteilung?

Das Personalmanagement und die Social-Media-Abteilung sollten im Active Sourcing Hand in Hand gehen. Die Zusammenarbeit der Abteilungen ist die Grundlage für ein erfolgreiches Recruiting. Inhalte der Stellenanzeigen werden von deiner HR-Abteilung geliefert und von deinem Social-Media-Team entsprechend aufbereitet. Das benötigt viele Absprachen. 

Wie viel Zeit muss ich für Social Recruiting einplanen?

Social-Media-Recruiting ist keine Nebentätigkeit, sondern erfordert viel Zeit. Wie schon anfangs erwähnt, sind das Employer Branding und eine Content-Strategie wichtige Grundlagen für eine effektive Mitarbeitergewinnung auf Social Media. Nimm dir ausreichend Zeit für Vorarbeit und arbeite deine Arbeitgebermarke aus. Ein Redaktionsplan hilft dir, Beiträge zu strukturieren und einen Fahrplan für deine Content-Strategie zu erstellen. Auch während des Recruitings sind Profil-Pflege und -Optimierung das A und O.

Welche Rolle spielt die Datenanalyse?

Die Konkurrenz im Social-Media-Recruiting schläft nicht. Erarbeite dir Knowhow, um die Funktionen und Möglichkeiten der Social-Media-Plattformen zu überblicken. Schau dir erfolgreiche Social-Recruiting-Kanäle an, um deine Strategie anhand von Best Practices zu erarbeiten. Finde deinen USP und stich mit kreativen Beiträgen aus der Masse heraus.

Fazit

In Zeiten des Fachkräftemangels müssen neue Methoden der Mitarbeiterakquise herangezogen werden. Sprich potenzielle Mitarbeiter dort an, wo sie sich aufhalten: in sozialen Netzwerken. Die tägliche Nutzungsdauer auf Social-Media-Plattformen steigt stetig und liegt bereits bei knapp 90 Minuten pro Tag. Personalgewinnung und Personalsuche finden deshalb zunehmend online statt.

Social Recruiting bietet vielseitige Möglichkeiten, Kandidaten direkt anzusprechen und dich als attraktiven Arbeitgeber in Szene zu setzen. Basis sind ein einheitliches Unternehmensprofil und eine strategische Planung von Inhalten auf Social-Media-Plattformen.

Quellen:

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