Langfristige und kurzfristige Preisuntergrenze: Formel und Berechnungsmethode für deine optimale Preisgestaltung

Aktualisiert am 22.01.2024
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Die optimalen Preise für Produkte und Dienstleistungen zu finden, ist eine Herausforderung, die jedes Unternehmen auf dem Weg zum Erfolg meistern muss. Dabei kann leicht einiges schiefgehen, schließlich willst du wettbewerbsfähig sein und gleichzeitig rentabel. Die Lösung liegt in der Kosten- und Leistungsrechnung, genauer in der Berechnung der langfristigen und kurzfristigen Preisuntergrenze.

In diesem Artikel erklären wir dir, was es damit auf sich hat. Außerdem bieten wir dir:

  • Einblicke in die Grundlagen der langfristigen und kurzfristigen Preisuntergrenze
  • Berechnungsmethoden und Beispiele für die Ermittlung von Preisuntergrenzen
  • Praktische Handlungsempfehlungen zur Optimierung deiner Preispolitik

Verpasse nicht die Gelegenheit, wertvolle Informationen zu sammeln, um deine Preisgestaltung zu verbessern und den Erfolg deines Unternehmens zu steigern, und lies direkt weiter!

Die Grundlagen der langfristigen und kurzfristigen Preisuntergrenze

Um die optimale Preisgestaltung für Produkte oder Dienstleistungen zu finden, ist sowohl die langfristige als auch die kurzfristige Preisuntergrenze von Bedeutung. Beide helfen Unternehmen dabei, Verluste zu vermeiden, indem Produkte nicht unter ihrem Verkaufswert angeboten werden, und marktgerechte Preise zu ermitteln.

Definitionen und Unterschiede

Die langfristige Preisuntergrenze basiert auf der Deckung aller anfallenden Kosten bei der Produktion und dem Vertrieb von Produkten oder Dienstleistungen. Zu den Kosten zählen sowohl die fixen Kosten, die unabhängig von der Produktionsmenge anfallen, als auch die variablen Kosten, die durch ausgabenwirksame Leistungen verursacht werden. Bei der Festsetzung der langfristigen Preisuntergrenze sollte auch der errechnete Gewinnaufschlag berücksichtigt werden.

Die kurzfristige Preisuntergrenze hingegen bezieht sich auf die variablen Kosten. Fixkosten werden in der kurzfristigen Betrachtung ignoriert, da sie unabhängig von der Produktionsmenge anfallen und in der Regel nicht kurzfristig beeinflusst werden können. Diese Herangehensweise ermöglicht es, flexibel auf Marktsituationen zu reagieren und Angebote anzupassen, beispielsweise durch Aktionspreise oder zeitlich begrenzte Rabatte.

Ein wesentlicher Unterschied zwischen langfristiger und kurzfristiger Preisuntergrenze liegt also darin, dass bei der langfristigen Betrachtung alle Kosten berücksichtigt werden und diese auf Dauer nicht unterschritten werden dürfen, um Verluste zu vermeiden. Bei der kurzfristigen Betrachtung ist eine Unterschreitung der langfristigen Preisuntergrenze jedoch möglich, solange die variablen Kosten gedeckt sind und der Marktpreis nicht zu weit absinkt.

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Lesetipp

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Die Rolle von Kosten und Marktbedingungen

Die optimale Preisgestaltung hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie beispielsweise den anfallenden Kosten und den Marktbedingungen. Werden Kosten reduziert oder steigen die variablen Kosten durch höhere Materialpreise oder Lohnkosten, so sollten die Preisuntergrenzen angepasst werden. Auch bei Veränderungen der Marktbedingungen wie steigendem Wettbewerb oder sinkender Nachfrage müssen Unternehmen ihre Preisuntergrenzen überprüfen und gegebenenfalls anpassen, um konkurrenzfähig zu bleiben.

Anwendung in verschiedenen Branchen

Die Berechnung und Anwendung von langfristigen und kurzfristigen Preisuntergrenzen ist branchenübergreifend relevant. Ob in der Industrie, im Handel oder im Dienstleistungssektor: Unternehmen müssen ihre Preisuntergrenzen stets im Auge behalten, um rentabel zu arbeiten und wettbewerbsfähig zu bleiben. Sie dienen als Basis, um Preise festzulegen, die auf den jeweiligen Marktbedingungen und Kostenstrukturen basieren und gleichzeitig akzeptabel für den Kunden sind.

Berechnung der langfristigen Preisuntergrenze

Die langfristige Preisuntergrenze ist entscheidend für die Preisgestaltung. Um sie zu berechnen, bedienen wir uns der Deckungsbeitragsrechnung, berücksichtigen die Gemeinkosten und zeigen dir ein Beispiel der Berechnung.

Die Deckungsbeitragsrechnung

In der Leistungsrechnung und insbesondere in der Kostenträgerrechnung spielt die Deckungsbeitragsrechnung eine zentrale Rolle. Um die langfristige Preisuntergrenze zu ermitteln, ist der Deckungsbeitrag pro Stück entscheidend. Der Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen dem Verkaufswert und den variablen Selbstkosten. Er gibt an, in welcher Höhe ein Produkt oder eine Dienstleistung zur Deckung der unternehmensfixen Kosten beiträgt. Die langfristige Preisuntergrenze ist erreicht, wenn der Deckungsbeitrag die gesamten Gemeinkosten abdeckt und somit das Betriebsoptimum sichergestellt ist.

Berücksichtigung der Gemeinkosten

Die Gemeinkosten, zum Beispiel Gehaltskosten, Verwaltungskosten und Vertriebskosten, sind entscheidend für die Preisuntergrenze, da sie bei der langfristigen Preisbildung berücksichtigt werden müssen. Hierbei ist es wichtig, eine korrekte Kostenträgerrechnung durchzuführen und alle Kostenarten auf die verschiedenen Produkte oder Dienstleistungen aufzuteilen. Die Stückkosten, also die Gesamtkosten pro Stück, setzen sich aus den variablen Selbstkosten und dem Anteil der Gemeinkosten zusammen. Um die langfristige Preisuntergrenze zu berechnen, müssen die Gesamtkosten zumindest in der Höhe des Preises gedeckt sein.

Beispiel einer langfristigen Preisuntergrenzenberechnung

Nehmen wir an, dein Unternehmen stellt ein Produkt her, bei dem folgende Kosten anfallen:

  • Variable Selbstkosten pro Stück: 80 €
  • Gemeinkosten (unternehmensfixe Kosten, z. B. Gehaltskosten, Verwaltungskosten, Vertriebskosten) pro Monat: 10.000 €
  • Produktionsmenge pro Monat: 1.000 Stück

Als ersten Schritt berechnest du die Gemeinkosten pro Stück:

Gemeinkosten pro Stück = Gesamte Gemeinkosten / Produktionsmenge
Also: 10.000 € / 1.000 Stück = 10 €

Die Stückkosten ergeben sich aus der Summe der variablen Selbstkosten und der Gemeinkosten pro Stück:

Stückkosten = Variable Selbstkosten + Gemeinkosten pro Stück
Also: 80 € + 10 € = 90 €

Die langfristige Preisuntergrenze liegt also bei 90 €, da dies der Betrag ist, der nötig ist, um sowohl die variablen Selbstkosten als auch die unternehmensfixen Kosten zu decken.

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Lesetipp

Hin und wieder lohnt sich auch die Prüfung deines Unternehmens auf Wirtschaftlichkeit. Schließlich willst du deine Energie nicht unnötig für Produkte verschwenden, die keinen Umsatz einbringen. Wie so eine Prüfung funktioniert, liest du in unserem Artikel Wirtschaftlichkeitsanalyse: Definition, Methoden und praktische Beispiele für 2024.

Berechnung der kurzfristigen Preisuntergrenze

Die kurzfristige Preisuntergrenze ermöglicht dir eine liquiditätsorientierte Kalkulation, um bei Zahlungsschwierigkeiten die Preise anzupassen. Hier erfährst du, wie du sie berechnest und welche Faktoren dabei eine Rolle spielen.

Einfluss variabler Kosten

Die kurzfristige Preisuntergrenze berücksichtigt hauptsächlich die variablen Kosten. Variable Kosten sind diejenigen, die direkt mit der Produktion und Absatzmenge der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen zusammenhängen, beispielsweise Rohstoffe, Hilfsstoffe oder Energiekosten. Daher ist es wichtig, die variablen Kosten aller Produkte genau zu kennen, um eine Entscheidung bezüglich der kurzfristigen Preisgestaltung deines Angebots zu treffen.

Ignorieren fixer Kosten

Du solltest beachten, dass die kurzfristige Preisuntergrenze lediglich die Deckung der variablen Kosten als Ziel hat. Daher werden in dieser Berechnung die Fixkosten, die unabhängig von der Produktions- und Absatzmenge anfallen, nicht berücksichtigt. Typische Beispiele für Fixkosten sind etwa Mieten, Versicherungen oder Personalkosten in Verwaltung und Management. Durch das Ignorieren der Fixkosten besteht allerdings das Risiko, dass dein Unternehmen langfristig nicht alle Kosten decken kann. Daher solltest du diese Vorgehensweise nur in Ausnahmesituationen oder bei bestimmten produktpolitischen Entscheidungen anwenden.

Beispiel einer kurzfristigen Preisuntergrenzenberechnung

Um die kurzfristige Preisuntergrenze zu berechnen, nutzt du die Deckungsbeitragsrechnung. Hier ein Beispiel, um dir den Prozess zu verdeutlichen:

  1. Identifiziere die variablen Kosten pro Stück deines Produkts, beispielsweise 10 Euro.
  2. Entscheide, ob es notwendig ist, einen gewissen Deckungsbeitrag zur Abdeckung der Fixkosten zu erzielen, zum Beispiel einen Deckungsbeitrag von 2 Euro pro Stück.
  3. Addiere die variablen Kosten und den gewählten Deckungsbeitrag: 10 Euro (variable Kosten) + 2 Euro (Deckungsbeitrag) = 12 Euro
  4. Damit liegt die kurzfristige Preisuntergrenze für dein Produkt bei 12 Euro.

Beachte, dass diese Berechnungsmethode die Preisuntergrenze als "gleichbleibend" betrachtet. Mit anderen Worten: Solange die variablen Kosten gleichbleibend sind, ändert sich die kurzfristige Preisuntergrenze nicht. Jedoch kann sich die Preisuntergrenze bei Veränderungen der variablen Kosten oder des gewählten Deckungsbeitrags entsprechend anpassen.

Langfristige und kurzfristige Preisuntergrenze: 4 Praxistipps zur erfolgreichen Preisgestaltung
Gern darfst du diese Infografik auf deiner Webseite einbinden.

Handlungsempfehlungen für dein Unternehmen

Um eine optimale Preisgestaltung sowie maximalen Erlös zu realisieren, sollten Unternehmen langfristig und kurzfristig agieren können. Im Folgenden erhältst du Handlungsempfehlungen auf Basis der vorangegangenen Berechnungen.

Anpassung der Preispolitik

Nachdem die lang- und kurzfristigen Preisuntergrenzen für deine Produkte oder Dienstleistungen ermittelt wurden, geht es darum, die Preispolitik deines Unternehmens entsprechend anzupassen. Berücksichtige dabei:

  • Die Ergebnisse der Deckungsbeitragsrechnung und der Berechnung der Preisuntergrenzen
  • Die Wettbewerbssituation im Markt und die Reaktion deiner Mitbewerber auf deine Preisgestaltung
  • Die Zielsetzung deines Unternehmens (z. B. Marktanteilsgewinnung, Umsatzwachstum, Rentabilität)

Beachte bei der Anpassung der Preispolitik, dass die langfristige Preisuntergrenze sicherstellt, dass alle ausgabenwirksamen fixen und variablen Kosten gedeckt sind. Die kurzfristige Preisuntergrenze ermöglicht es hingegen temporär, bei geringen Stückzahlen oder hohen variablen Kosten, Preise unterhalb der langfristigen Preisuntergrenze anzusetzen.

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Lesetipp

Mehr Infos dazu, wie du den optimalen Preis für dein Produkt festlegen kannst, findest du in unserem ausführlichen Artikel Preisfindung: So bestimmst du den richtigen Preis für dein Produkt.

Kontinuierliche Überwachung der Preisuntergrenzen

Führe regelmäßige Kontrollen und Neuberechnungen der Preisuntergrenzen durch, um auf Marktveränderungen und neue Kostenstrukturen reagieren zu können. Dabei sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Aktualisiere die Berechnungsgrundlagen wie Gemeinkosten, variable Kosten und fixe Kosten, sobald sich diese ändern.
  • Prüfe regelmäßig, ob deine aktuelle Preisgestaltung mit den ermittelten Preisuntergrenzen übereinstimmt und ob du ausreichend Gewinne erwirtschaftest.
  • Analysiere die Marktbedingungen und externe Faktoren wie Nachfrage oder Wettbewerb, um deinen Verkaufspreis auch im Kontext der aktuellen Marktgegebenheiten anzupassen.

Die kontinuierliche Überwachung der Preisuntergrenzen sichert langfristig den Erfolg deines Unternehmens und ermöglicht ein nachhaltiges Wachstum.

Fazit

Die optimale Preisgestaltung erfordert sowohl die Analyse der langfristigen als auch der kurzfristigen Preisuntergrenzen, um finanzielle Stabilität und Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens zu gewährleisten. Diese Unternehmenskennzahlen bilden die finanzielle Basis, um Produkte und Dienstleistungen rentabel und kostendeckend anzubieten.

  • Unterschiede: Langfristige Preisuntergrenzen berücksichtigen fixe und variable Kosten, während kurzfristige Preisuntergrenzen nur variable Kosten einbeziehen.
  • Berechnung: Die Deckungsbeitragsrechnung und die Berücksichtigung von Gemeinkosten sind essentielle Bestandteile der langfristigen Preisuntergrenzenberechnung, wohingegen kurzfristige Preisuntergrenzen lediglich die variablen Kosten berücksichtigen.
  • Tools und Handlungsempfehlungen: Softwarelösungen, Online-Tools und Fachbücher unterstützen die Berechnung und geben dir wichtige Informationen, um eine effektive Preispolitik aufzubauen und eine kontinuierliche Überwachung der Preisuntergrenzen sicherzustellen.

Indem du die dargelegten Methoden nutzt und die Bedeutung der langfristigen und kurzfristigen Preisuntergrenzen verstehst, bist du in der Lage, deine Preisgestaltung zu optimieren und den langfristigen Erfolg deines Unternehmens sicherzustellen. Es ist wichtig, dass du diese Kennzahlen regelmäßig überprüfst und an Änderungen im Markt anpasst.

FAQ

Nachstehend werden die am häufigsten gestellten Fragen beantwortet.

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