Usability: Sofort umsetzbare Tipps, wie du die Nutzerfreundlichkeit deiner Website testen kannst

Aktualisiert am 16.01.2023
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Wie nutzerfreundlich ist deine Website? Das bekommst du am besten mit einem Usability-Test heraus. Externe Hilfe, ein großes Budget oder umfangreiche Analysen sind dafür nicht nötig. Stattdessen kannst du die Nutzerfreundlichkeit deiner Website einfach selbst überprüfen. Wir verraten, was wichtig ist.

Kriterien für die Usability deiner Website

Übersetzt bedeutet Usability so viel wie Gebrauchstauglichkeit. Sie beschreibt das Ausmaß, in dem ein Nutzer ein Produkt oder einen Dienst in einem bestimmten Anwendungskontext nutzen kann, um seine Ziele zufriedenstellend zu erreichen. Einfach gesagt: Mithilfe eines Usability-Tests kannst du feststellen, wie gut Besucher mit deiner Website zurechtkommen.

Verwendet wird der Begriff Usability erst seit den 1980er Jahren. Wie Menschen mit Technik zurechtkommen, war aber natürlich vorher schon Thema. Spätestens seit der Erfindung von gewaltigen Maschinen wie der Dampflokomotive und etlichen schrecklichen Unfällen nach Bedienungsfehlern war klar: Die Bedienbarkeit ist ein wichtiges Kriterium wenn es darum geht, Menschen Technik zugänglich zu machen.

Im Gegensatz zur Dampfmaschine geht von deiner Website natürlich keine Gefahr aus. Dafür kannst du – wenn die Nutzerfreundlichkeit stimmt – die Verweildauer deiner Besucher erhöhen, die Absprungrate vermindern oder sogar Leads generieren.

Folgende Bestandteile deiner Website spielen dabei eine Rolle:

Inhalte

Das Internet hat viele Vorteile – und ein Problem: zu viel Input. Schon vor Jahrzehnten wurde für Deutschland eine Informationsüberlastung von 98 Prozent errechnet. Das bedeutet: 98 Prozent der Informationen, die uns täglich begegnen, nehmen wir gar nicht wahr.

Natürlich beeinflusst das auch das Leseverhalten deiner Besucher. Du musst ihnen also einen Grund liefern, sich ausgerechnet mit deinem Content näher zu beschäftigen.

Das fängt schon bei der Adresse deiner Website an. Ist sie reizlos oder überfordernd, wird sie kaum geklickt. Als Website-Namen solltest du deshalb eher www.webdesign.berlin wählen als www.phantasievolledesignagenturspezialisiertaufkmuinberlin.de. Während letztere wohl auch wohlgesonnene Nutzer überfordert, präsentiert erstere alles Wesentliche auf einen Blick.

Insgesamt sind im Hinblick auf die Usability deiner Inhalte folgende Fragen wichtig:

  • Sind deine Inhalte relevant und nicht unnötig lang?
  • Sind sie gut strukturiert und verständlich?
  • Bieten sie deinen Besuchern Mehrwert?
  • Decken sie die Suchintention deiner Besucher ab?

Design

Erlaubt ist, was gefällt? Ganz so einfach ist es nicht. Das Design der Website sollte deinen Besuchern helfen, Inhalte sofort und ohne Probleme zu erfassen. Dafür ist eine übersichtliche Gestaltung besonders wichtig. Auf ständig aufploppende Fenster, blinkende Buttons oder zig verschiedene Schriftarten und -farben solltest du lieber verzichten.

Stattdessen sind folgende Fragen von Bedeutung:

  • Sorgt das Design deiner Website insgesamt für ein angenehmes Nutzererlebnis?
  • Unterstützt das Design deine Besucher dabei, sich auf der Website zurechtzufinden?
  • Gibt es optische Hierarchien, die deinen Besuchern helfen, Inhalte besser zu erfassen?
  • Verwendest du Bilder, Videos oder ähnliche Dinge, die deinen Besuchern Mehrwert bieten?

Navigation

Einer der wichtigsten Faktoren im Bereich Usability ist die Navigation. Deine Besucher können sich nicht zurechtfinden, wenn sie kompliziert aufgebaut oder überladen ist – und verlassen deine Website so ganz schnell wieder. Wie auch beim Design sollte das Ziel deiner Navigation sein, Besucher beim Finden von Informationen zu unterstützen.

Hier sind folgende Fragen wichtig:    

  • Ist deine Navigation grundsätzlich nachvollziehbar?
  • Ist sie logisch strukturiert und in Hierarchieebenen unterteilt?
  • Ist die Zahl der Menüpunkte überschaubar? Gut wahrnehmbar sind zwischen fünf und sieben.

Web-Konventionen

Web-Konventionen nutzt du höchstwahrscheinlich sowieso. Hier geht es um Standards in der Website-Gestaltung, die jeder Nutzer kennt und auch irgendwie erwartet. Mit diesen Konventionen solltest du nicht brechen, um deine Besucher nicht zu verwirren.

Gängige Web-Konventionen sind zum Beispiel diese:

  • Dein Logo befindet sich oben auf der Website. Nutzer können es anklicken, um zurück zur Startseite zu gelangen.
  • Die Navigation ist entweder oben auf der Seite oder am linken Rand.
  • Standardlinks zu Datenschutzerklärung, AGB oder Impressum sind im Fußbereich der Website platziert.
  • Hyperlinks sind farblich gekennzeichnet.

Kreativität

Ein weiteres Qualitätsmerkmal ist die Kreativität deiner Website. Sie sollte den Besuchern etwas bieten, das sie woanders nicht bekommen – etwas, das sie neugierig macht und dazu bringt, länger auf deiner Seite zu verweilen.

Im Rahmen der Usability solltest du dir folgende Fragen stellen:

  • Bleibt deine Website deinen Besuchern in Erinnerung?
  • Bietet sie deinen Besuchern etwas Neues, das sie bisher noch nicht kennen?
  • Gibt es Applikationen oder Ähnliches, die deinen Besuchern helfen – und dich von Wettbewerbern unterscheiden?

Usability-Methoden im Überblick

Ob – und wie viele – der vorgestellten Fragen sich positiv beantworten lassen, solltest du nicht einfach selbst einschätzen. Ein Usability-Test liefert viel akkuratere Ergebnisse. Dabei gibt es ganz verschiedene Herangehensweisen, die sich in Aufwand und Ablauf deutlich voneinander unterscheiden können.

Allgemein gibt es diese Varianten:

  • Expertentests: Wer nicht selbst Hand anlegen möchte, wendet sich an Experten. Diese haben unterschiedliche Möglichkeiten, eine Website unter die Lupe zu nehmen. Eine davon ist, die Qualität der Website mithilfe heuristischer Methoden zu beurteilen: Die Experten greifen dafür auf bestehende Richtlinien zurück, prüfen die Website entlang dieser Vorgaben und halten Auffälligkeiten fest.
  • Qualitative Testmethoden: Bei qualitativen Testmethoden stehen die einzelnen Testergebnisse im Fokus. Was hat dieser Nutzer getan, um an die gewünschten Informationen zu kommen? Welche Schwierigkeiten hatte jene Nutzerin und wie hat das ihr Nutzererlebnis geschmälert? Kleine Testmengen reichen hier schon aus, um zentrale Probleme einer Website herauszufinden.
  • Quantitative Testmethoden: Quantitative Testmethoden benötigen höhere Teilnehmerzahlen, weil mit ihnen messbare Zahlenwerte ermittelt werden sollen. Sie sind gut geeignet, um generelle Schwierigkeiten zu offenbaren. Konnten zum Beispiel sämtliche Testpersonen eine Aufgabe nicht lösen, ist das ein deutliches Zeichen dafür, dass in diesem Bereich der Website nachgebessert werden sollte.
  • Online-Tools: Schließlich gibt es Online-Tools, mit denen die Schwachpunkte einer Website identifiziert werden können. Die meisten von ihnen sind schnell einzurichten, einfach in der Benutzbarkeit und in ihrer Basisversion oft sogar kostenlos. Mittlerweile gibt es zahlreiche Online-Tools, die auf verschiedenste Kennzahlen spezialisiert sind. Mehr dazu weiter unten.

Usability testen: Drei Testmethoden für schnelle Ergebnisse

Wenn du schnell und ohne großen Aufwand herausfinden möchtest, wie es um die Usability deiner Website bestellt ist, sind die folgenden Herangehensweisen empfehlenswert:

Automatisierte Prüfung: Online-Tools

Online-Tools liefern gute Hinweise darauf, an welchen Stellen deiner Website es hakt. Konkrete Erfahrungen echter Nutzer können sie zwar nicht ersetzen; dafür liefern sie gute Ansatzpunkte, wo es Handlungsbedarf gibt. Großer Pluspunkt: Du kannst sofort und ohne Vorbereitung mit dem Testen loslegen.

Ein Tool, das du dir näher anschauen solltest, ist Lighthouse von Google. Ursprünglich wurde der Dienst zum Testen von Progressive Web Apps entwickelt; mittlerweile lassen sich damit aber auch herkömmliche Websites auf Herz und Nieren prüfen.

Messen kannst du zahlreiche verschiedene Faktoren und bekommst außerdem konkrete Handlungsempfehlungen für die Optimierung deiner Website. Um möglichst realitätsnahe Auswertungen zu erhalten, hast du außerdem die Möglichkeit, die Testbedingungen zu filtern und anzupassen.

Quantitative Methode: Onsite-Befragung

Eine quantitative Methode mit Testpersonen ist die Onsite-Befragung. Hier kannst du innerhalb kurzer Zeit Feedback von vielen Besuchern deiner Website generieren.

Dazu wird ein Fragebogen direkt auf deiner Website eingebunden und die Besucher über ein Popup oder einen Layer zur Teilnahme an der Befragung eingeladen. Ob sie an der Befragung letztendlich teilnehmen möchten, können sie selbst entscheiden.

Mit einer Onsite-Befragung kannst du zum Beispiel herausfinden,

  • wie gut die Besucher auf deiner Website generell zurechtkommen,
  • ob sie Verbesserungsvorschläge für deine Website haben,
  • welche Funktionen sie auf deiner Website vermissen.

Die Onsite-Befragung kannst du nicht nur nutzen, um Erkenntnisse über deine Website zu gewinnen, sondern auch, um deine Zielgruppe besser kennenzulernen. Schließlich landen deine Fragen bei den Personen, die deine Website sowieso besuchen. Außerdem trägt die Onsite-Befragung zu einer regelmäßigen Qualitätssicherung bei, weil du deinen Fragebogen ohne Aufwand immer wieder einsetzen kannst.

Qualitative Methode: Beobachtung und Befragung

Eine qualitative Methode, die sich leicht umsetzen lässt, ist die persönliche Beobachtung und Befragung. Dabei werden Testpersonen bestimmte Aufgaben zugeteilt, die sie anschließend unter Beobachtung lösen sollen.

Das Gute daran: Große Testmengen sind nicht nötig! Laut einer Studie des Usability-Experten Jakob Nielsen decken schon fünf Probanden 80 Prozent aller Usability-Probleme auf. Du brauchst also nur fünf Testergebnisse, um die Nutzerfreundlichkeit deiner Website enorm zu erhöhen.

Für eine aussagekräftiges Ergebnis solltest du wie folgt vorgehen:

  • Finde Personen, die dir gerne helfen wollen. Mach dir das Leben aber nicht unnötig schwer, indem du endlos nach den perfekten Versuchspersonen suchst. Es geht darum, eine ganz normale Website zu testen – also kommt auch fast jede Person infrage. Freunde oder Verwandte sind gute Kandidaten.
  • Stell deinen Testpersonen Aufgaben und beobachte, wie sie bei der Lösung vorgehen. Damit sie sich besser auf die Situation einstellen können, ist es hilfreich, wenn du dazu ein kleines Szenario erfindest. Das kann zum Beispiel so aussehen: „Der Umwelt zuliebe möchtest du vom Auto aufs Fahrrad umsteigen. Finde ein Fahrrad für deinen Arbeitsweg, das zu dir passt und sich im mittleren Preissegment bewegt.“
  • Wichtig: Deine Probanden sollen sich ganz alleine zurechtfinden. Du solltest ihnen also auf keinen Fall konkrete Hinweise geben, weil das die Ergebnisse verfälscht.
  • In der anschließenden Befragung kannst du noch mehr Details herausfinden: Wie empfanden deine Kandidaten den Schwierigkeitsgrad der gestellten Aufgaben? Wie sind sie auf die jeweiligen Lösungswege gekommen? Wenn es Schwierigkeiten gab – woran lag das? Die gewonnenen Erkenntnisse helfen dir dabei, deinen Web-Auftritt zu verbessern.

Fazit

Wer herausfinden möchte, wie nutzerfreundlich die eigene Website ist, kommt um einen Usability-Test nicht herum. Du kannst deine Website schlecht selbst testen – schließlich weißt du bereits, wie sie funktioniert. Stattdessen helfen dir Online-Tools oder Testpersonen, die einen frischen Blick auf die Website haben, Probleme aufzudecken, die du selbst nicht erkennen würdest.

Natürlich kannst du nicht alle auftauchenden Schwierigkeiten von heute auf morgen beseitigen. Die Verbesserung der Nutzerfreundlichkeit ist ein steter Entwicklungsprozess, der den Erfolg deiner Website allerdings entscheidend steigern kann.

Quellen:

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