Hoshin Kanri für Einsteiger: Das steckt hinter der japanischen Lean-Management-Methode

Aktualisiert am 12.01.2023
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Ziele sind für ein Unternehmen unabdingbar. Ob kurzfristig oder langfristig: Es sollten klar definierte Meilensteine festgelegt werden, an deren Erreichung das gesamte Team arbeitet.

Dieser Weg ist aber oftmals schwierig. Es ergibt sich ein Zusammenspiel von Zielen für den aktuellen Monat, das Quartal oder sogar das ganze Jahr. An deren Umsetzung muss zeitgleich gearbeitet werden. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass über ein strukturiertes Management entsprechende Strategien und Vorgehensweisen festgelegt werden.

Was dir und deinem Team dabei helfen kann, ist die japanische Methode Hoshin Kanri. Ihre Grundsätze, die Umsetzung und die Vorteile für dein Unternehmen stellen wir dir in diesem Beitrag vor.

Was ist Hoshin Kanri?

Hoshin Kanri ist eine japanische Management-Methode. Der Begriff setzt sich aus zwei Wörtern zusammen:

  • Hoshin, das bedeutet Kompassnadel
  • Kanri, das heißt so viel wie Management oder Steuerung

Die Methode wurde bereits Mitte des 20. Jahrhunderts in Japan entwickelt und wird häufig auch als Policy Deployment bezeichnet. In Deutschland ist Hoshin Kanri aber noch ziemlich unbekannt – trotz der großen Wirkung.

Die Lean-Management-Methode hat ein übergeordnetes Ziel: Die wichtigsten Ziele eines Unternehmens zu erfüllen. Dafür muss ein Unternehmen Ressourcen ideal einsetzen, Wertströme verfolgen und abteilungsübergreifend zusammenarbeiten. Es werden alle Faktoren beleuchtet und gegebenenfalls auch verändert, die für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens von Bedeutung sind.

Was in der Theorie recht unkompliziert klingt, scheitert häufig am Umsetzungsprozess. Jedes Unternehmen hat Ziele und möchte diese realisieren – die Frage ist nur, wie das klappen kann. Dafür gehst du in Rahmen von Hoshin Kanri in zwei Schritten vor:

  • Planungsprozess: Du legst die Ziele des Gesamtunternehmens und der einzelnen Abteilungen fest. Dabei planst du die Umsetzung mit konkreten Maßnahmen.
  • Umsetzungsprozess: Die geplanten Maßnahmen werden umgesetzt und von dir aktiv gesteuert. Der Fokus liegt dabei stets auf der Umsetzung der Unternehmensziele.

Was die Hoshin Kanri-Methode so besonders macht, ist ihr Fokus. Dieser liegt nämlich nicht auf den verwendeten Maßnahmen oder den eingesetzten Tools.

Es geht vielmehr darum, die Kompetenz und das Verständnis auf allen Ebenen aufzubauen, wie die Unternehmensvision umgesetzt werden kann. Dabei werden alle Hierarchieebenen einbezogen und auf ihre spezifischen Bedürfnisse hin untersucht.

Das sind die Werkzeuge von Hoshin Kanri

Wenn du dich fragst „Was ist Hoshin Kanri?“, dann stolperst du sicherlich über die Bedeutung: Kompassnadel für Management. Der Name ist sehr passend, denn du kannst dir die Hoshin Kanri-Methode tatsächlich wie einen Kompass mit vier Himmelsrichtungen vorstellen.

Das zentrale Element in der Mitte bildet dabei die Unternehmensvision. Sie ist der Ausgangspunkt für alle weiteren Teilziele und die anschließende Strategieumsetzung. Die weiteren Himmelsrichtungen der Hoshin-Kanri-Matrix lauten wie folgt:

  • Norden: Maßnahmen und Strategien
  • Osten: Kennzahlen verschiedener Abteilungen
  • Süden: Durchbruchsziele für verschiedene Zeiträume
  • Westen: Jahresziele und kurzfristige Ziele

Die Hoshin-Kanri-Matrix im Detail

Die Hoshin-Kanri-Matrix eignet sich ideal als Strategieplaner. Bei der Methode gehst du von der Vision aus und arbeitest in vier verschiedenen Bereichen an der Umsetzung.

Zu den Maßnahmen und Strategien (Norden) zählen die verschiedensten Aspekte, etwa das Schalten von Werbung oder die Nutzung neuer Verkaufskanäle. Auch eine effizientere Produktion oder eine Anpassung deines Angebots an die Kundenbedürfnisse kann dazu gehören.

Dabei arbeitest du mit den verschiedensten Kennzahlen (Osten). Das sind beispielsweise dein Budget für das Marketing, die Kosten für die Produktion oder Angaben zur Kundenzufriedenheit. Wichtig ist, dass du dabei unternehmensweite Zahlen berücksichtigst und diese stets aktualisierst.

Ein weiterer wichtiger Aspekt sind die Durchbruchsziele (Süden), die du festlegst. Dabei setzt du am besten auf möglichst konkrete Zielvorgaben: Der Umsatz soll um 20 Prozent gesteigert werden oder es soll eine neue Zielgruppe erschlossen werden. Dein Team und du habt dann ein klares Ziel, auf das ihr hinarbeiten könnt.

Das gilt auch für die kurzfristigeren Ziele (Westen). Das können die Einstellung neuer Mitarbeiter oder neue Vertriebswege sein. So lassen sich auch in einem kürzeren Zeitraum erste Teilziele erreichen. Das hält die Motivation hoch und setzt den ersten Grundstein für den weiteren Erfolg.

Hoshin-Kanri-Methode: Der PDCA-Zyklus und seine Bedeutung

Bei Hoshin Kanri gehst du nach einem bestimmten Muster vor. Dieses nennt sich PDCA-Zyklus und soll es dir leichter machen, deine Ziele zu erreichen.

Phase 1: Plan

Zunächst beginnst du mit den Zielvereinbarungsgesprächen. Du legst Visionen fest und entwickelst Ziele (kurzfristig und langfristig). Gleichzeitig erarbeitest du Maßnahmen, mit denen dir das gelingen soll. Auch die Kaskadierung der Ziele gehört dazu. Dabei legst du fest, wie diese aufeinander folgen.

Phase 2: Do

Nun geht es an die Umsetzung. Die Führungsteams und alle restlichen Mitarbeiter sollten befähigt werden, die Maßnahmen zu erfüllen. Noch einmal zur Erinnerung: Es geht beim Hoshin Kanri nicht um die Werkzeuge, sondern um das Know-how auf allen Ebenen.

Phase 3: Check

Hast du damit begonnen, die Maßnahmen für die geplanten Ziele umzusetzen, solltest du den Erfolg regelmäßig prüfen. Einige Bereiche bieten sich dafür besonders gut an. Ob sich der Umsatz gesteigert hat, lässt sich zum Beispiel leicht erfassen. Auch der Erfolg eines neuen Social-Media-Kanals lässt sich bewerten.

Phase 4: Act

Du prüfst weiterhin, wie nah du dem übergeordneten Ziel, der Vision, kommst. Die neuen Maßnahmen sollten inzwischen Standard geworden sein. Kehre regelmäßig zu deinem Hoshin-Plan zurück und führe dir vor Augen, auf welche Vision du hinarbeitest.

Hoshin Kanri in 4 Phasen

Was bedeuten Catchball und Nemawashi im Zusammenhang von Hoshin Kanri?

Es handelt sich bei Hoshin Kanri nicht um ein Steuerungssystem, das hierarchisch funktioniert. Es geht vielmehr darum, ausreichend Fachwissen aufzubauen, damit jede einzelne Ebene ihren Teil dazu beitragen kann, dass die Unternehmensziele erreicht werden.

Dabei geben die Mitarbeiter ihre Beobachtungen regelmäßig an das Führungsteam weiter. Die Mitarbeiter werfen der Führung also einen Catchball zu. Das hilft dabei, die getroffenen Maßnahmen zu bewerten und ihre Umsetzbarkeit zu prüfen.

Hoshin Kanri fördert also die Zusammenarbeit und die Kommunikation zwischen den einzelnen Ebenen. Es werden nicht einfach Maßnahmen heruntergebrochen und angewiesen – es geht vielmehr darum, im Gespräch zu bleiben und konstruktiv die bestmöglichen Lösungen zu finden.

Ein weiterer interessanter Begriff rund um Hoshin Kanri ist Nemawashi. Mit diesem Wort wird der Prozess beschrieben, der vor dem eigentlichen Treffen einer Entscheidung stattfindet. Die Philosophie dahinter besagt, dass Ideen und ihre Umsetzung zunächst durch das Management bzw. die Geschäftsführung diskutiert werden sollen. Bei der finalen Entscheidung kommt es dann zu keinerlei Problemen mehr, da alle Beteiligten schon vorab zugestimmt haben.

Wo kann ich mich weitergehend über Hoshin Kanri informieren?

Hoshin Kanri ist eine komplexe Methode. Im deutschsprachigen Raum ist es vor allem Dr. Daniela Kudernatsch, die sich eingehend mit dem Thema beschäftigt und bereits mehrere Bücher dazu veröffentlicht hat.

Für einen guten Überblick über Hoshin Kanri sind vor allem die zwei folgenden Bücher von Daniela Kudernatsch zu empfehlen:

  • Hoshin Kanri: Policy Deployment durch agile Strategieumsetzung
  • Methodenhandbuch Hoshin Kanri: Wie Best Practice Unternehmen Krisen meistern

Fazit: Hoshin Kanri fördert klare Ziele, wirksame Strategien und eine offene Kommunikation

Hoshin Kanri wird in Japan bereits seit Jahrzehnten erfolgreich angewandt. Langsam erkennen auch andere Länder, welche großen Vorteile diese Methode bietet. Sie definiert klare Ziele und Maßnahmen für die Umsetzung.

Dabei werden alle Mitarbeiter mit einbezogen und eine offene Kultur wird gefördert. Du erhöhst damit die Chancen, dass du deine Unternehmensziele erreichst.

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