Proof of Concept (PoC): Definition, Beispiele und Strategien für das Prüfen deiner neuen Business-Ideen

Aktualisiert am 08.01.2024
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Über 70 Prozent der neu gegründeten Start-ups scheitern schon in den ersten drei Jahren. Ein Proof of Concept (PoC) kann dieses Risiko erheblich minimieren. Ein PoC ist der erste, entscheidende Schritt auf dem Weg zur Umsetzung einer Geschäftsidee. Es macht deutlich, ob eine Idee das Potenzial hat, erfolgreich zu sein – oder nicht.

In diesem Artikel lernst du, wie du ein PoC nutzt, um den Erfolg deiner Geschäftsideen wahrscheinlicher zu machen. Wir werden unter anderem folgende Themen behandeln:

  • Wie ein Proof of Concept funktioniert und erstellt wird
  • Wie man mit Herausforderungen während des Prozesses umgeht
  • Best Practices: Wie und in welchen Branchen ein PoC in der Praxis angewendet wird

Den Nutzen eines Proof of Concept verstehen

Ein Proof of Concept hilft Unternehmen und Gründern, die Machbarkeit eines Projekts, einer Methode oder einer neuartigen Idee zu demonstrieren und die tatsächliche Umsetzung in der Praxis zu prüfen.

In diesem Abschnitt werden wir die Vorteile eines Proof of Concept im Innovationsprozess, bei der Risikominimierung und in der Entscheidungsfindung betrachten.

Innovationsprozess

Ein Proof of Concept spielt eine wichtige Rolle im Innovationsprozess, da es dazu beiträgt, das Vertrauen der Stakeholder und Investoren in ein Projekt zu stärken.

Indem sie mit einem PoC demonstrieren, dass eine Idee umsetzbar ist, stellen Unternehmen und Gründer ihre Innovationsfähigkeit auf eine solide, belegbare Basis. Gerade dann, wenn du von Geschäftspartnern Geld für deine Geschäftsidee einsammeln möchtest, hilft dir ein PoC dabei, Vertrauen aufzubauen und deine Kompetenz zu beweisen.

Risikominimierung

Mit allem schon erwähnten Faktoren einhergeht, dass ein Proof of Concept zu einer Risikominimierung führt. Unternehmen können durch ein PoC potenzielle Probleme und Risiken frühzeitig erkennen und entsprechende Anpassungen an ihren Strategien vornehmen.

Das hilft dabei, möglicherweise fatale Fehler, Fehlinvestitionen oder Verzögerungen zu vermeiden, die im späteren Verlauf des Projekts entstehen könnten.

Entscheidungsfindung

Ein PoC kann auch als Absicherung bei der Entscheidungsfindung dienen, indem es zeigt, dass die Idee oder das Konzept in der realen Welt Bestand hat.

Es ermöglicht Unternehmen oder Projektteams damit, eine fundierte Entscheidung darüber zu treffen, ob sie ein Projekt (weiter)verfolgen oder alternative Ansätze in Betracht ziehen sollten.

Machbarkeitsstudie: Voraussetzung für das PoC

Das PoC ermöglicht es, das Projekt in Aktion zu sehen, potenzielle Probleme in der Praxis zu erkennen, die Leistungsfähigkeit zu bewerten und erforderliche Anpassungen oder Verbesserungen vorzunehmen, noch bevor das Projekt vollumfänglich umgesetzt wird.

Die Grundlage bildet eine Machbarkeitsstudie. Sie bewertet die Durchführbarkeit und Umsetzbarkeit einer Idee. Sie dient außerdem dazu, die technischen, finanziellen, rechtlichen und zeitlichen Aspekte eines Vorhabens zu analysieren. Das PoC liefert dann den praktischen Erfolgsnachweis für die Umsetzbarkeit eines Projekts.

Eine Machbarkeitsstudie umfasst in der Regel folgende Schritte:

  1. Zielsetzung und Projektbeschreibung: Definiere die Ziele des Projekts, erstelle eine Projektbeschreibung und lege den geplanten Umfang fest.
  2. Marktforschung und Wettbewerbsanalyse: Untersuche gründlich den Markt, in dem das Projekt umgesetzt werden soll. Identifiziere relevante Markttrends, potenzielle Kunden, Chancen, die Wettbewerbssituation und die Angebote deiner Konkurrenz.
  3. Technische Machbarkeit: Prüfe, ob die technischen Voraussetzungen für die Umsetzung des Projekts vorhanden sind. Dies umfasst die Bewertung der verfügbaren Ressourcen, die deine Infrastruktur, Technologien, Fachkenntnisse und dein Personal beinhalten.
  4. Finanzielle Machbarkeit: Führe eine detaillierte Analyse der finanziellen Mittel durch, die das Projekt erfordert. Das schließt die Kosten für Entwicklung, Implementierung und Betrieb sowie die potenziellen Einnahmen und Gewinne ein. Lege dafür Budgets, Investitionspläne und Rentabilitätsberechnungen fest.
  5. Rechtliche Aspekte: Überprüfe rechtliche Anforderungen und Einschränkungen, die das Projekt betreffen könnten. Dazu gehören beispielsweise Genehmigungen, Zertifizierungen und Datenschutzbestimmungen.
  6. Zeitliche Planung: Erstelle eine detaillierte Zeitplanung, die den Projektverlauf, Meilensteine, Ressourcenbedarf und Abhängigkeiten berücksichtigt. Identifiziere auch potenzielle Risiken und Herausforderungen bei der Zeitplanung.
  7. Risikoanalyse: Bewerte mögliche Risiken und Unsicherheiten, die das Projekt beeinflussen könnten. Plane ggf. entsprechende Maßnahmen zur Risikominimierung ein.
  8. Zusammenfassung: Fasse die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie zusammen. Berücksichtige dabei die Chancen, Risiken und Erfolgsaussichten.

Proof of Concept: Herausforderungen und Grenzen

Bei der Umsetzung des PoC kann es sein, dass nicht alles so läuft, wie du es dir vorgestellt hast. Damit du nicht den Mut verlierst und erfolgversprechende Ideen frühzeitig aufgibst, haben wir hier ein paar Tipps zum Umgang mit Herausforderungen, denen du begegnen könntest.

Scheitern als Lernprozess akzeptieren

Während du dein PoC vorbereitest, kann es sein, dass du feststellst, dass deine Projektidee nicht funktioniert. Kein Grund zur Sorge! Zu scheitern ist immer auch eine Chance, dazuzulernen. Anstatt dich darüber zu ärgern, dass deine Idee nicht umsetzbar ist, solltest du versuchen, die Ursache dafür zu analysieren. Vielleicht hakt es nur an kleinen Details.

Dabei ist wichtig, dass du die gesammelten Daten und Informationen sorgfältig auswertest. Dies ermöglicht es dir, gezielt an Schwachstellen zu arbeiten und die angestrebten Verbesserungen effektiver umzusetzen. Darüber hinaus entstehen aus Fehlern manchmal auch neue Perspektiven und (Geschäfts-)Ideen.

Realistische Erwartungen setzen

Du solltest nicht erwarten, dass deine Projektidee auf Anhieb perfekt funktioniert. Oftmals sind mehrere Anpassungen erforderlich, bevor ein zufriedenstellendes Ergebnis erreicht wird.

Setze also realistische Erwartungen und übe dich in Geduld. Das hilft außerdem dabei, den Druck auf dich und dein Team zu reduzieren und gleichzeitig Motivation und Engagement zu fördern.

Beachte auch, dass die Ergebnisse eines Proof of Concept nicht immer vollständig aussagekräftig sind. Sei darauf vorbereitet, dass dein Unternehmen möglicherweise zusätzliche Prototypen oder Tests durchführen muss, um eine endgültige Entscheidung über die Durchführbarkeit einer Idee zu treffen.

Proof of Concept: 5 effektive Methoden

Schritt für Schritt: So erstellst du ein Proof of Concept

Nun möchten wir dir anhand eines konkreten Beispiels zeigen, wie du ein Proof of Concept erstellst.

Ideenfindung und Zielsetzung: Zuallererst identifizierst du eine innovative Idee und benennst das Ziel, das du damit anstrebst. Ein Beispiel hierfür wäre die Integration von Augmented Reality (AR) in den Online-Shopping-Prozess. Kunden soll damit ermöglicht werden, deine Produkte in ihren eigenen vier Wänden zu sehen, was wiederum deine Retourenquote verringern soll.

Machbarkeitsstudie: Folge den Schritten, die wir im obenstehenden Kapitel zum Thema Machbarkeitsstudie bereits dargestellt haben. Fragen, die du dir hier zum Beispiel stellen musst, lauten: Welche Technologien werden konkret benötigt? Welche Kosten entstehen für die Entwicklung und Implementierung der AR-Integration?

Entwicklung eines Prototyps: Anschließend kannst du einen ersten Prototyp entwickeln. Beginne bereits früh im Prozess, ihn mithilfe von Versuchspersonen zu testen. Welche Features gefallen ihnen, welche nicht, welche fehlen? Ist die Bedienung intuitiv oder zu umständlich? Optimiere deinen Prototyp auf Basis des Feedbacks, das du erhältst.

(Erste Kapitalsicherung:) Möchtest du für deine Business-Idee Kapital von Investoren einsammeln, hast du mit deiner Machbarkeitsstudie und dem Prototyp eine hervorragende Basis geschaffen, um potenzielle Geschäftspartner zu überzeugen.

Beispiele: So funktioniert das Proof of Concept in der Praxis

Vor allem in Industrie, Produktentwicklung und IT ist das Proof of Concept ein wichtiges Werkzeug, um innovative Ideen zu validieren und zu testen.

Industrie und Produktentwicklung

Ein Beispiel ist die Entwicklung von umweltfreundlichen und energieeffizienten Motoren in der Automobilindustrie. Durch die Anwendung eines Proof of Concept kann die Realisierbarkeit solcher Motoren bestätigt werden. Auch werden die technischen Herausforderungen identifiziert, bevor die eigentliche Produktion beginnt.

  1. Ziel festlegen: Verbesserung des Kraftstoffverbrauchs, Reduzierung von Emissionen und Leistungssteigerung
  2. Entwicklung eines Prototyps: Testmodelle von Motoren, die die innovative Technologie oder das neue Konzept integrieren, werden entwickelt
  3. Tests: Testmodelle werden unter realistischen Bedingungen im Labor oder in Testumgebungen ausprobiert und Messungen zu Leistung, Effizienz und Haltbarkeit werden durchgeführt
  4. Analyse der Daten: Gesammelte Daten aus den Tests werden mit den angestrebten Zielen verglichen und bewertet
  5. Anpassungen: Gegebenenfalls werden Änderungen oder Optimierungen an den Testmodellen vorgenommen oder neue Prototypen entwickelt und getestet

Software- und IT-Projekte

In Software- und IT-Projekten ist das Proof of Concept oftmals der erste Schritt bei der Einführung neuer Technologien oder Arbeitsweisen. Zum Beispiel ermöglicht ein PoC das Erproben neuer Programmiersprachen oder Frameworks, bevor sie in bestehenden Projekten eingesetzt werden.

  1. Ziel festlegen: Verbesserung der Entwicklungszeit, Vereinfachung der Code-Wartung und Leistungssteigerung
  2. Entwicklung eines Prototyps: Testmodell wird entwickelt, das die neue Programmiersprache in einer repräsentativen Umgebung demonstriert
  3. Tests: Prototyp wird getestet, indem beispielsweise nur bestimmte Module oder Funktionen mit der neuen Programmiersprache oder dem Framework versehen werden
  4. Analyse der Daten: Die gesammelten Daten und Ergebnisse aus den Tests werden analysiert und bewertet, um festzustellen, ob die neue Programmiersprache die definierten Ziele erreicht und die erwarteten Vorteile bietet
  5. Anpassungen: Gegebenenfalls werden Änderungen oder Optimierungen an dem Testmodell vorgenommen oder ein neuer Prototyp entwickelt und getestet

Fazit

Ein Proof of Concept ist ein wertvolles Werkzeug, um die Machbarkeit und das Potenzial einer Geschäftsidee oder eines Produkts zu prüfen. Dadurch können Unternehmen Risiken minimieren und Investoren bzw. Stakeholder von der Umsetzbarkeit ihrer Innovationen überzeugen.

Die wichtigsten Schlüsselfaktoren bei der Erstellung eines PoC sind die klare Definition des Problems oder des Ziels, die Identifizierung der benötigten Ressourcen und die Erprobung der gewählten Lösungsansätze.

Stelle sicher, dass dein Unternehmen über die notwendigen Ressourcen verfügt, um ein PoC umzusetzen und dessen Ergebnisse auszuwerten. Dazu gehören umfangreiche Kommunikation, regelmäßige Fortschrittskontrollen und kontinuierliche Verbesserung.

Übrigens: Am Ende dieser Seite findest du eine Auswahl passender Artikel, die dich bei der Verwirklichung deiner Business-Idee unterstützen. Viel Spaß beim Lesen!

FAQ

An dieser Stelle möchten wir auf einige Fragen, die im Zusammenhang mit dem Thema Proof of Concept häufig gestellt werden, eingehen.

Quellen:

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