Mobbing am Arbeitsplatz: Beispiele, Schutzmaßnahmen und wann rechtliche Schritte möglich sind

Von Thomas Sesli, geprüft durch Juliane Becker (zertifiziert von Google)
Aktualisiert am 23.07.2025 | Lesezeit ca. Min.

Schon mal mit Bauchschmerzen zur Arbeit gegangen? Dann bist du nicht allein. Mobbing am Arbeitsplatz ist kein Randphänomen, sondern bittere Realität für viele Menschen.

Laut einer Studie der Universität Leipzig im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales sind 6,5 Prozent der abhängig Beschäftigten in Deutschland von Mobbing durch Kollegen und/oder Vorgesetzte betroffen. Das hat nichts mit „nicht klarkommen“ zu tun – das ist ein ernstes Problem, mit Folgen für Gesundheit, Karriere und Lebensqualität.

In diesem Artikel untersuchen wir die verschiedenen Aspekte des Themas und zeigen auf, welche Schutzmaßnahmen und rechtlichen Handlungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.

Der umfangreiche Beitrag bietet dir dabei folgende Informationen:

  • Typische Mobbinghandlungen und Anzeichen für Mobbing am Arbeitsplatz
  • Präventionsstrategien und betriebliche Maßnahmen zur Verhinderung von Mobbing
  • Vorgehen gegen Mobber: rechtliche Schritte und Ansprechpartner im Konfliktfall

Entdecke, wie du Mobbing frühzeitig erkennen und angemessen darauf reagieren kannst, um einen respektvollen Umgang und ein gesundes Arbeitsumfeld zu unterstützen!

Anzeichen von Mobbing am Arbeitsplatz

Das Erkennen von Mobbing am Arbeitsplatz bildet die Grundlage, um gezielt dagegen vorzugehen. In diesem Abschnitt beschäftigen wir uns intensiv mit verschiedenen Anzeichen, die auf Mobbinghandlungen hindeuten können.

Typische Mobbinghandlungen

Mobbing zeigt sich in verschiedenen Verhaltensweisen und kann vielfältige Formen annehmen.

In der Regel gehören folgende Handlungen zu den üblichen Mobbingstrategien:

  • Anfeindungen: Gezielte Beleidigungen, Beschimpfungen oder Abwertungen, die sich gegen die gemobbte Person richten
  • Ausgrenzung: Das bewusste Ausschließen der gemobbten Person von Gesprächen, gemeinsamen Aktivitäten oder dem Austausch von Informationen
  • Nachrede: Das Verbreiten von Gerüchten oder falschen Informationen über die gemobbte Person, mit der Absicht, deren Ruf zu schädigen
  • Schikane: Unangemessenes, einschüchterndes oder bedrohliches Verhalten gegenüber der gemobbten Person
  • Arbeitsaufgaben: Systematisches Entziehen oder Überlasten mit Arbeitsaufgaben, um die gemobbten Personen zu demotivieren oder bloßzustellen
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So kann Mobbing am Arbeitsplatz konkret aussehen

Arbeitnehmerin Anna arbeitet seit einem Jahr als Sachbearbeiterin in einem mittelständischen Unternehmen. Seit einigen Monaten wird sie von drei Kollegen aus dem Team konsequent ignoriert. In Meetings werden ihre Beiträge übergangen oder mit abfälligen Bemerkungen kommentiert. Wenn sie sich zu gemeinsamen Mittagspausen dazugesellt, stehen die anderen auf und verlassen den Tisch. Auf E-Mails erhält sie oft keine Antwort – wichtige Informationen werden ihr gezielt vorenthalten.

Trotz mehrfacher Versuche, das Gespräch zu suchen, bessert sich die Situation nicht. Ihre Arbeit leidet, sie ist psychisch stark belastet und hat bereits erste Krankschreibungen hinter sich.

Diese Art des wiederholten, systematischen Ausschlusses und der Herabwürdigung zählt nach gängiger Definition (z. B. durch das Bundesarbeitsgericht oder Mobbingforscher wie Heinz Leymann) als klassischer Fall von Mobbing.

Mobbing am Arbeitsplatz: Ein (leider) gut erforschtes Phänomen

Zum Thema Mobbing am Arbeitsplatz gibt es eine breite und interdisziplinäre Forschung – aus Psychologie, Soziologie, Arbeitswissenschaften, Gesundheitsforschung und Rechtswissenschaft.

1. Heinz Leymann (1990er Jahre)
Pionier der Mobbingforschung. Definierte Mobbing als systematische, feindselige Handlungen über einen längeren Zeitraum. Entwickelte das LIPT-Instrument (Leymann Inventory of Psychological Terror) zur Erfassung von Mobbinghandlungen.

2. Psychologische Forschung
Untersucht vor allem die Auswirkungen auf psychische Gesundheit: erhöhter Stress, Depressionen, Angststörungen. Studien zeigen, dass Mobbing langfristig krank machen kann (z. B. Einträge in das Burnout-Geschehen).

3. Arbeitsmedizin und Gesundheitsstudien
Krankenkassen (z. B. TK, DAK, AOK) führen regelmäßig Studien durch, in denen Mobbing als Stressfaktor identifiziert wird. Mobbing kann zu erhöhtem Krankenstand und Frühverrentung führen.

4. Organisationssoziologie
Analysiert Mobbing als Folge von Führungsstil, Unternehmenskultur oder strukturellen Problemen (z. B. Hierarchien, Konkurrenzdruck).

5. Rechtswissenschaft
Beschäftigt sich mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen, Nachweispflichten und Handlungsmöglichkeiten für Betroffene und Arbeitgeber.

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Cybermobbing am Arbeitsplatz ist auf dem Vormarsch

Mobbing am Arbeitsplatz in digitaler Form, auch als Cybermobbing oder digitales Mobbing bezeichnet, ist eine moderne Variante klassischer Mobbinghandlungen – nur verlagert in digitale Kommunikationskanäle. Es nimmt mit der Zunahme von Homeoffice, Chat-Tools und E-Mail-Kommunikation deutlich zu. Laut einer Umfrage von Statista in Kooperation mit YouGov haben 8 Prozent der darin Befragten schon einmal Mobbing via E-Mail erlebt.

Typische Formen:

  • Abwertende oder herablassende E-Mails (z. B. CC an Kollegen oder Vorgesetzte, um jemanden bloßzustellen)

  • Ignorieren in digitalen Gruppen-Chats (z. B. in Slack, Teams, WhatsApp)

  • Ständiges Kontrollieren oder Überwachen über digitale Tools

  • Verbreitung von Gerüchten oder privaten Informationen über interne Kommunikationswege

  • Ausschluss aus digitalen Besprechungen oder Verteilerlisten

  • Abwertende Emojis oder Reaktionen, etwa in Kommentaren oder Reaktionsfunktionen

Ursachen und Muster des Mobbings

Mobbing am Arbeitsplatz zeigt sich in verschiedenen Facetten und resultiert aus einer Vielzahl von Gründen. Nachfolgend werden die Phasen des Mobbings dargestellt und mögliche Auslöser und Faktoren analysiert.

Die Phasen von Mobbing am Arbeitsplatz

Mobbing am Arbeitsplatz durchläuft typischerweise mehrere Phasen, die von Meinungsverschiedenheiten über gezielte Angriffe bis hin zur Ausgrenzung reichen:

  1. Konfliktsituation: Oftmals entsteht Mobbing aus Meinungsverschiedenheiten oder Abneigungen zwischen Mitarbeitern oder zwischen Führungskräften und ihren Untergebenen.
  2. Zielgerichtete Angriffe: Im Laufe der Zeit kommt es zu gezielten Angriffen auf das Opfer, wobei sich der Täter (Mobber) Unterstützung von Kollegen oder dem Arbeitgeber sucht.
  3. Isolation und Ausgrenzung: Die Betroffenen werden allmählich von Kollegen oder Vorgesetzten sozial und beruflich ausgegrenzt und isoliert.
  4. Chronifizierung: Ohne geeignete Maßnahmen zur Bekämpfung des Mobbings verschlimmert sich die Situation und entwickelt sich zu einem chronischen Problem.

Häufige Auslöser und Faktoren

Es gibt verschiedene Gründe, weshalb Mitarbeiter oder Führungskräfte zum Mobber werden. Hier sind einige häufige Auslöser und Faktoren, die Mobbing am Arbeitsplatz begünstigen:

  • Meinungsverschiedenheiten: Unterschiedliche Überzeugungen, Werte oder Denkweisen können zu Konfliktsituationen führen.
  • Neid und Konkurrenz: Wenn ein Mitarbeiter als Bedrohung wahrgenommen wird oder ein anderer Mitarbeiter neidisch auf seinen Erfolg oder seine Position ist, kann dies Mobbing verursachen.
  • Überforderung oder Stress: In stressigen Situationen kann es zu unangemessenem Verhalten kommen, das von anderen als Mobbing wahrgenommen wird.
  • Bossing: Mobbing kann auch in Form von Bossing – gezielten Angriffen von Vorgesetzten auf ihre untergebenen Mitarbeiter – auftreten. Zu diesem Thema haben wir einen ausführlichen Artikel für dich: Bossing: Was tun, wenn Führungskräfte Angestellte schikanieren?

Folgen von Mobbing für Betroffene

Die Folgen von Mobbing am Arbeitsplatz für Betroffene sind vielfältig und oft gravierend. Sie betreffen sowohl die psychische und physische Gesundheit als auch das berufliche und soziale Leben.

Gesundheitliche und psychische Auswirkungen

Mobbing am Arbeitsplatz hat in vielen Fällen erhebliche gesundheitliche und psychische Folgen für die betroffenen Arbeitnehmer.

Insbesondere können folgende Krankheitssymptome bei Mobbingopfern auftreten:

  • Angstzustände und Depressionen
  • Stress und Burnout
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsprobleme
  • Erschöpfung und chronische Müdigkeit
  • Psychosomatische Beschwerden wie Kopf- und Rückenschmerzen
  • Tiefgreifende Selbstwertgefühle und Selbstzweifel

Diese gesundheitlichen und psychischen Beeinträchtigungen können dazu führen, dass sich die Betroffenen zurückziehen und dadurch wertvolle soziale Kontakte verlieren.

Soziale und berufliche Konsequenzen

Die sozialen und beruflichen Folgen von Mobbing sind häufig ebenfalls schwerwiegend.

Typische Probleme, die in Zusammenhang mit Psychoterror am Arbeitsplatz stehen, sind:

  • Erhöhte Fehlzeiten aufgrund von krankheitsbedingten Ausfällen
  • Verminderte Arbeitsleistung und eingeschränkte Leistungsfähigkeit
  • Motivationsverlust und mangelnde Arbeitszufriedenheit
  • Beeinträchtigung des Arbeitsklimas und Belastung von Kollegenbeziehungen
  • Verlust des Arbeitsplatzes, Versetzung oder Eigenkündigung
  • Perspektivlosigkeit und Behinderung der beruflichen Weiterentwicklung

Es ist wichtig zu beachten, dass auch die sozialen Beziehungen außerhalb des beruflichen Umfelds negativ beeinflusst werden können, da das Selbstwertgefühl und die Lebensqualität der Betroffenen stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Mobbing kann somit weitreichende Auswirkungen auf alle Lebensbereiche der betroffenen Personen haben.

Raus aus der Opferrolle: Schutzmaßnahmen gegen Mobbingverhalten

Um Mobbing am Arbeitsplatz zu verhindern, ist die Etablierung sowohl von individuellen Präventionsstrategien als auch von betrieblichen Maßnahmen unerlässlich. Hierbei nehmen Vertrauenspersonen, der Betriebsrat und der Arbeitgeber eine bedeutende Position ein.

Eigene Präventionsstrategien: Das kannst du tun, wenn du gemobbt wirst

Für betroffene Arbeitnehmer gibt es verschiedene Möglichkeiten, aktiv gegen Mobbingvorfälle vorzugehen und die Situation zu entschärfen:

  • Aufklärung: Erkunde Anzeichen von Mobbing und lerne, problematisches Verhalten am Arbeitsplatz frühzeitig zu erkennen.
  • Kommunikation: Äußere sachlich und offen die Mobbingvorwürfe gegenüber den beteiligten Personen. Versuche dabei, deinen Standpunkt klar darzulegen und gemeinsam Lösungen zu erarbeiten.
  • Netzwerk: Vernetze dich mit Kollegen und Freunden, um früher Anzeichen von Mobbing zu bemerken und Unterstützung zu erhalten.
  • Fortbildung: Durch Weiterbildungen und Schulungen kannst du deine Fähigkeiten verbessern und gegen potenzielle Mobbingursachen ankämpfen.
  • Dokumentation: Halte Vorfälle in einem Mobbing-Tagebuch fest, um bei einer späteren rechtlichen Auseinandersetzung entsprechende Beweise vorweisen zu können. Dazu später mehr.

Die Rolle des Arbeitgebers: Das kannst du als Chef gegen Mobbingvorfälle unternehmen

Da der Arbeitgeber gemäß dem Arbeitsrecht die Fürsorgepflicht für seine Mitarbeiter trägt, ist er für den Schutz vor Mobbing innerhalb des Unternehmens zuständig.

  1. Umsetzung von Präventionsmaßnahmen: Führe Verhaltensregeln, Anti-Mobbing-Richtlinien oder Mitbestimmungsmöglichkeiten für Mitarbeiter ein.
  2. Aufklärung und Schulung: Stelle Informationsmaterial und Schulungsangebote für Mitarbeiter und Führungskräfte bereit, um das Bewusstsein für Mobbingproblematiken zu schärfen.
  3. Benennung betrieblicher Vertrauenspersonen: Diese sollten sich um Probleme und Konflikte kümmern sowie bei Bedarf zwischen den Parteien vermitteln.
  4. Konsequente Aufarbeitung von Mobbingfällen: Ziehe gegebenenfalls arbeitsrechtliche Maßnahmen wie Abmahnungen oder Kündigungen in Betracht.

Wie Betriebsräte Mobbing bekämpfen können

Im Kampf gegen Mobbing sind Betriebsräte ein wichtiger Akteur. Folgende Schritte können von Betriebsräten zur Mobbingprävention unternommen werden:

  • Erstellung von Betriebsvereinbarungen: Diese Regeln sollen den Umgang und die Prävention von Mobbing klar definieren.
  • Sensibilisierung der Belegschaft: Durch Workshops, Seminare oder Informationsveranstaltungen wird das Thema Mobbing in den Fokus gerückt.
  • Bereitstellung von Ansprechpartnern: Mitarbeiter, die von Mobbing betroffen sind, erhalten Hilfe und Unterstützung durch qualifizierte Berater.
  • Mitwirkung an betrieblichen Konfliktlösungsmechanismen: Gemeinsame Bearbeitung von Mobbingfällen mit entsprechenden Gremien.
  • Austausch mit dem Arbeitgeber: Durch konstruktive Zusammenarbeit kann das Betriebsklima aktiv mitgestaltet und auf Missstände hingewiesen werden.

Unterstützung für Mobbingopfer: Welche Möglichkeiten gibt es?

Mobbingopfer benötigen gezielte Hilfe, um den Teufelskreis der Gewalt und Demütigung zu durchbrechen. In diesem Abschnitt zeigen wir, welche Hilfsangebote es gibt, um Betroffenen beizustehen und wie sie effektiv gegen Mobbing vorgehen können.

Das Mobbing-Tagebuch und Nachweismethoden

Ein wichtiger Schritt im Kampf gegen Mobbing ist das systematische Sammeln von Beweisen. Hierzu empfiehlt sich die Führung eines Mobbing-Tagebuchs, in dem alle Vorfälle samt Tageszeit, Ort und möglichen Zeugen lückenlos dokumentiert werden.

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So kann ein Mobbing-Tagebuch konkret aussehen

Datum: 18. Juni 2025
Uhrzeit: ca. 09:15 Uhr
Ort: Büro, Großraumbereich
Vorfall: Herr M. machte erneut eine abfällige Bemerkung über meine Arbeit („Das kriegt ja sogar der Praktikant besser hin“), während drei Kollegen anwesend waren. Keiner sagte etwas.
Gefühl: Gedemütigt, verunsichert
Zeuge: Frau K. (hat Blickkontakt aufgenommen, aber nichts gesagt)

Datum: 20. Juni 2025
Uhrzeit: ca. 13:00 Uhr
Ort: Teeküche
Vorfall: Ich kam dazu, als vier Kollegen zusammensaßen. Gespräch verstummte plötzlich. Eine Minute später standen sie auf und verließen gemeinsam die Küche.
Gefühl: Ausgeschlossen, traurig
Zeuge: Keine direkte, aber beobachtbare Situation

Ergänzend zu den schriftlichen Aufzeichnungen können E-Mails, Chat-Protokolle oder Fotos als Beweismaterial dienen. Solide Belege sind essenziell, um Täter zur Verantwortung zu ziehen und Vertrauenspersonen oder den Betriebsrat effektiv in den Prozess einzubinden.

Anlaufstellen und Beratungsangebote

Zugleich ist es entscheidend, dass Betroffene proaktiv Unterstützung suchen und nicht alleine mit ihrer Situation bleiben. Offene Gespräche mit Kollegen, Freunden oder Familienmitgliedern können dabei helfen, den Betroffenen Mut zu machen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Außerdem gibt es eine Vielzahl an externen Beratungsangeboten, die Mobbingopfern zur Verfügung stehen.

Dazu gehören unter anderem:

  • Psychologen und Psychotherapeuten
  • Arztpraxen und Kliniken mit Schwerpunkt auf psychologischer Versorgung
  • Mediationsbüros
  • Anwälte für Arbeitsrecht
  • Mobbingberatungsstellen und Selbsthilfegruppen
Mobbing am Arbeitsplatz: 4 Best Practices zur Prävention

Rechtliche Schritte bei Mobbing

Mobbing am Arbeitsplatz kann schwerwiegende Folgen für die Betroffenen haben. Um diesem Problem entgegenzuwirken, gibt es verschiedene rechtliche Möglichkeiten, auf die du zurückgreifen kannst.

Arbeitsrechtliche Regelungen zur Fürsorgepflicht

Im Arbeitsrecht hat der Arbeitgeber die Pflicht, sich um das Wohl seiner Angestellten zu kümmern. Dazu gehört auch der Schutz vor Mobbing.

Sobald der Arbeitgeber Kenntnis von einem solchen Vorfall erlangt, muss er geeignete Maßnahmen ergreifen, um das Mobbing zu beenden und den betroffenen Mitarbeitern Unterstützung zukommen zu lassen. Falls der Arbeitgeber seiner Fürsorgepflicht nicht nachkommt, kann dies Schadensersatzforderungen nach sich ziehen.

Wann Mobbing strafbar ist

Unter bestimmten Umständen kann Mobbing auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Beispiele für strafbare Handlungen im Zusammenhang mit Mobbing sind Beleidigung, üble Nachrede, Körperverletzung oder Stalking.

Abhängig von der Schwere der Tat können Betroffene Strafanzeigen erstatten und gerichtliche Schritte einleiten. Dabei sollte beachtet werden, dass nicht jede unangenehme Situation am Arbeitsplatz automatisch strafrechtliche Folgen hat. Eine juristische Beratung ist hilfreich, um die eigene Situation richtig einschätzen zu können.

Rechtliche Möglichkeiten für Betroffene

Wenn du selbst von Mobbing betroffen bist, gibt es verschiedene rechtliche Schritte, die du in Erwägung ziehen kannst, um gegen die Mobber vorzugehen:

  • Abmahnung: Eine Möglichkeit besteht darin, deinen Arbeitgeber dazu aufzufordern, gegen die Mobber vorzugehen, indem er eine Abmahnung ausspricht. Die Abmahnung ist eine formelle Ermahnung, die das Fehlverhalten rügt und vor weiteren rechtlichen Schritten warnt.
  • Arbeitsgericht: Wenn das Mobbing anhält und deine Gesundheit sowie Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt, kannst du dich an das Arbeitsgericht wenden. Im Rahmen eines gerichtlichen Verfahrens kann der Arbeitgeber zu Schadensersatz oder Unterlassungsansprüchen verurteilt werden.
  • Kündigung: In extremen Fällen, wenn das Arbeitsverhältnis unzumutbar geworden ist, kann eine außerordentliche fristlose Kündigung als letzter Schritt in Betracht gezogen werden. Allerdings sollte vorher unbedingt juristischer Rat eingeholt werden, um mögliche Nachteile für dich selbst zu vermeiden.

Wir empfehlen dir, alle rechtlichen Schritte gründlich abzuwägen und gegebenenfalls auf professionelle Hilfe, etwa Anwälte oder Beratungsstellen, zurückzugreifen. Ziel sollte es sein, eine Lösung zu finden, die zu deinem Wohlbefinden und einer positiven beruflichen Zukunft beiträgt.

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Mobbingsituation kann zu Schmerzensgeldansprüchen führen

Das Landesarbeitsgericht Niedersachsen sprach in seinem Urteil vom 12. Oktober 2005 (Az.: 6 Sa 2132/03) einem Arbeitnehmer ein Schmerzensgeld in Höhe von 24.000 Euro zu – wegen einer gesundheitlichen Beeinträchtigung, die auf das Verhalten des Arbeitgebers zurückzuführen war.

Der Arbeitgeber hatte den Arbeitnehmer in Gegenwart von Kunden massiv beleidigt. Infolge dieser Demütigung entwickelte der Betroffene eine psychische Erkrankung, die zu einer zweijährigen Arbeitsunfähigkeit führte.

Fazit

Mobbing am Arbeitsplatz zeigt sich in unterschiedlichsten Formen, doch stets führen die Konsequenzen zu negativen Auswirkungen für die Betroffenen. Aus Arbeitsplatzkonflikten können sich systematische Angriffe und Ausgrenzung entwickeln, die gesundheitliche, soziale und berufliche Beeinträchtigungen nach sich ziehen.

Die wesentlichen Erkenntnisse aus dem Artikel lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Anzeichen: Mobbingakte variieren von Anfeindungen und Ausgrenzung über üble Nachrede bis hin zur Entziehung oder Überforderung von Arbeitsaufgaben.
  • Ursachen und Folgen: Vielfältige Faktoren können Mobbing am Arbeitsplatz auslösen und dabei sowohl physische als auch psychische Belastungen für Betroffene verursachen.
  • Schutzmaßnahmen: Um Mobbing zu begegnen und Betroffenen Hilfe zu bieten, sind individuelle Präventionsstrategien, Arbeitgeberverantwortung, Betriebsrat und rechtliche Schritte von zentraler Bedeutung.

Mobbing hat nicht nur gesundheitliche und soziale Auswirkungen auf Betroffene, sondern beeinflusst auch das gesamte Arbeitsklima. Mithilfe frühzeitiger Erkennung und geeigneter Maßnahmen kannst du zu einer unterstützenden und wertschätzenden Arbeitsumgebung beitragen.

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