Die Shop-Boutique im eigenen Wohnzimmer – Chancen und Herausforderungen von Augmented Reality im E-Commerce

Aktualisiert am 12.01.2023
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Wie gelingt es im E-Commerce, das Kundenerlebnis so anzureichern, dass man das Gefühl hat, vor Ort zu sein? Wie schließe ich als Händler die Lücke zum realen Shoppingerlebnis im stationären Geschäft? Wie verschmelze ich online und physische Präsenz?

Augmented- und Virtual Reality-Anwendungen sind dafür bestens geeignet: sie erschaffen aus zweidimensionalen Bildschirmen dreidimensionale Erlebniswelten. Nicht erst mit dem Metaverse bilden diese Technologien den Brückenschlag zwischen Online- und Offline-Welten. Die Differenzierung zwischen Web- und Showroomern ist mittlerweile überholt.

Dieser Beitrag skizziert Einsatzmöglichkeiten von Augmented Reality (AR) im E-Commerce, beschreibt passende Produktgruppen und schildert die technischen und konzeptionellen Herausforderungen bei der Umsetzung. Wie sollte Augmented Reality integriert werden, damit Kunden die Anwendung verstehen, annehmen und nutzen? Gelingt es, mithilfe von AR eine immersivere Kundenerfahrung zu schaffen?

Zum Begriff: Was ist Augmented Reality (AR)?

AR ist eine immersive Technologie, die den Nutzern ermöglicht, eine Marke oder ein Produkt interaktiv zu erleben. Die Kamera des Kunden-Smartphones oder eine AR-Brille erfasst die reale Umgebung und projiziert darauf virtuelle, computergenerierte Ebenen.

Shopbetreiber reichern so entweder im physischen Store oder in ihrem Online-Shop die Produkte mit weiterführenden Informationen, Animationen und Videos an. AR-Brillen sind für den physischen Handel vor Ort spannend, um Wartezeiten zu überbrücken und so on- und offline noch mehr zu verschmelzen. Die Technologie fügt Effekte hinzu oder legt Overlays über das, was von einer Kamera in Echtzeit erfasst wird.

Neben den haptischen Eindrücken erweitert AR im stationären Bereich die Informationstiefe. Der Kunde ist so besser unterhalten und kann besser informiert kaufen und konsumieren. AR-Anwendungen werden vielfältiger, je leistungsfähiger die Geräte werden.

AR im E-Commerce: Wo kann ich als Shopbetreiber konkret AR einsetzen?

AR-Anwendungen funktionieren häufig, indem die Kunden mit ihrer Kamera ein Objekt erfassen oder mit der Kamera ihres Laptops ein Bild von sich selbst machen, etwa um Accessoires wie Schmuck und Brillen virtuell anzuprobieren. Sobald die Software das gesuchte Muster erkennt, fügt sie zusätzliche Elemente hinzu, die mit der Perspektive der Kamera übereinstimmen. Das können animierte Produkte und sonstige visuelle Erweiterungen sein.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind unbegrenzt: Mit Hilfe einer AR-App lassen sich zum Beispiel unterschiedliche Parkettböden virtuell im Zimmer verlegen. Oder der Umbau der Küchenmaschine vom Rührgerät zum Mixer wird genau da gezeigt, wo das eigene Gerät steht. Möbelhändler bieten AR-Lösungen an, mit denen man Möbelstücke virtuell in die eigene Wohnung projizieren lassen kann: Passt die Couch zum Teppich, ist das Regal zu groß für den Raum? Dank Augmented Reality können Shopbetreiber ihre Produkte in die Lebenswelten der Kunden einblenden, bevor die Dinge physisch geliefert werden.

Wie baue ich Augmented Reality in Online-Shops ein?

Der gängigste Weg im stationären Bereich ist, auf Apps und das Kunden-Smartphone zu setzen, um reale Objekte im Ladengeschäft zu erfassen und mittels AR anzureichern. Im E-Commerce lässt sich AR – mit einigen Einschränkungen – über den Desktop-Browser implementieren. Ein besserer Ansatz im E-Commerce ist es, den Online-Shop mit einer Augmented-Reality-App oder dem Browser des Smartphones zu verknüpfen.

Eine eigene App enthält alle relevanten Inhalte und die AR-Logik; das bietet das beste Kundenerlebnis. Über den Shop vor Ort oder Marketingkampagnen sollte der Shopbetreiber auf seine App aufmerksam machen und einen Link bzw. einen QR-Code bereitstellen, über den die App heruntergeladen werden kann.

Was eignet sich besonders gut für AR im E-Commerce – und was nicht?

Nicht jedes Produkt im Handel eignet sich für AR-Anwendungen. Der Händler muss im Einzelfall seinen Warenbestand prüfen und schauen, was sich für AR eignet. Wann helfe ich mit einer AR-Anwendung, mehr über das Produkt zu erfahren? Der Kunde muss einen entscheidenden Vorteil haben, die AR-Anwendung zu nutzen.

Ihn leiten Fragen wie:

  1. Was muss ich von einem Produkt wissen und erfahren, um eine Entscheidung zu treffen?
  2. Wie kann Augmented Reality einen Beitrag dazu leisten, mich vom Kauf zu überzeugen?

Eine weitere Herausforderung sind die Kosten. Die Entwicklung einer AR-App braucht viel Know-how und gute Programmierer. Deswegen setzen eher große Marken und Anbietern aus dem Luxussegment auf dieses Werkzeug.

Die erfolgversprechendsten Anwendungsfälle für Augmented Reality im E-Commerce sehe ich in Marketingkampagnen, mit denen die Konversionsraten und die Kundenzufriedenheit gesteigert werden können.

Das sind etwa:

  • Eine Marke, die eine Kampagne in der Filiale vor Ort durchführt und ihren Nutzern eine AR-App zum Download anbietet.
  • Eine Kundin, die in einem Online-Shop nach Produkten stöbert und über eine AR-App sehen kann, wie das Produkt bei ihr zu Hause aussehen würde. So kann sie zum Beispiel einen Spiegel an ihrer eigenen Wand virtuell betrachten, bevor sie ihn bestellt.
  • Ein Kunde, der ein Produkt erwirbt und sich über die AR-App den Montageprozess visuell erklären lässt. Eine Montageanleitung in 3D versteht jeder besser als Bilder oder Textanleitungen.
  • Was sehr gut funktioniert: Accessoires wie Brillen oder Schmuck, da diese immer an derselben Stelle getragen werden und die animierten Elemente so einfacher auf das reale Bild übertragen werden können.

Best Case für AR im E-Commerce: Zuhause Brillen ausprobieren

Einen konkreten Anwendungsfall für AR im E-Commerce bieten etwa Optiker: Kunden können bequem von zu Hause aus am Rechner oder unterwegs über Tablet oder Smartphone unterschiedliche Brillenmodelle ausprobieren – entweder mithilfe ihrer Kamera oder mit einem hochgeladenen Porträtfoto. Die AR-Anwendung ist somit eine virtuelle Anprobe. Das ermöglicht den Kunden, herauszufinden, welche Brillenformen gut aussehen und was nicht unbedingt dem eigenen Typ entspricht.

So bietet das „Virtual Try-On“ den Kunden ein hoch-individuelles Shoppingerlebnis. Sie können online nicht nur Brillen auswählen und anprobieren, sondern idealerweise auch direkt in ihrer Sehstärke kaufen. Oder sie können online Termine in ihrer Wunsch-Filiale vereinbaren und vor Ort ihre Auswahl treffen. Hier hilft AR dabei, Fehlkäufe zu vermeiden und den Kunden ein besseres Shoppingerlebnis zu geben, egal ob sie im Store sind oder von zu Hause den Online-Shop erkunden.

Augmented Reality Marketing Grafik
Augmented Reality Anwendung beim Optiker– für Desktop wie für mobile Endgeräte. (Foto: KRASS Optik) 

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