Flywheel: Das steckt dahinter und so nutzt du es für dein Marketing

Von Corinne Konou
Aktualisiert am 05.01.2024 | Lesezeit ca. Min.

Endet der Kaufprozess wirklich, wenn ein Kunde dein Produkt oder deine Dienstleistung erworben hat? Anders als der Sales Funnel sagt das Flywheel hier: Nein! Vielmehr können und sollten Kunden Mitgestalter deines Unternehmens werden. Der Gedanke dahinter: Der Kaufentscheidungsprozess verläuft nicht linear, sondern in einem Kreislauf. Deshalb wird das Flywheel auch als Kreislaufmodell bezeichnet.

Es geht nicht mehr nur darum, den Kunden auf dein Angebot aufmerksam zu machen und ihn zum Kauf zu bewegen. Was beim Flywheel zählt, ist, deinen Kunden zu begeistern. Er soll sich dazu entschließen, eine langfristige Beziehung mit deinem Unternehmen einzugehen.

Im Folgenden erfährst du, was genau das Flywheel ist und wie du dieses Kreislaufmodell nutzen kannst, um den Erfolg deines Unternehmens zu steigern.

Wie funktioniert das Flywheel?

Wenn du eine Reise gemacht hast, auf der du an spannenden Touren teilnehmen, die köstlichsten Gerichte essen und die beeindruckendsten Attraktionen sehen konntest, teilst du diese Erfahrungen gerne mit Freunden und Familie. So bewegst du deine Liebsten dazu, dieselbe Reise zu planen oder anderen Menschen von deinen tollen Erlebnissen zu berichten.

Genau darum geht es beim Flywheel-Marketing: Du bietest deinem Kunden eine einzigartige Reise – und weil er so begeistert ist, erzählt er anderen davon. Somit erhältst du im Idealfall Zugang zu mehr Kunden, die du auf diese Reise mitnehmen kannst.

Denke immer daran: Du gewinnst treue Kunden nur, wenn du ihre Bedürfnisse kennen und verstehen lernst. Die Begeisterung kommt, wenn deine Kunden sehen, dass du ihre Fragen nicht nur antizipierst, sondern auch die besten Antworten darauf bereitstellst. Aus diesem Grund hat beispielsweise der altbekannte Trichter (Sales Funnel) ausgedient. Dazu später mehr.

Die Funktion des Flywheel-Modells ist eine Ableitung von James Watts mechanischem Schwungrad. Geschwindigkeit, Größe und Reibung des Schwungrads bestimmen die Menge an Energie. Das Rad trug im 18. Jahrhundert durch seine effektive Art, Energie zu erzeugen und zu speichern, zur industriellen Revolution bei.

Im Jahr 2018 wurde das Flywheel als Symbol des Wandels im Inbound-Marketing von HubSpot-CEO Brian Halligan vorgestellt. Das Konzept wird nun für die nachhaltige Kundengewinnung und das Wachstum eines Unternehmens genutzt.

Im Inbound-Marketing besteht das Rad aus folgenden drei Elementen:

  • Anziehen
  • Beteiligen
  • Begeistern
Das ursprüngliche Flywheel vs. Das Inbound-Marketing-Flywheel

Um das Flywheel einmal in Bewegung zu bringen und zu halten, braucht es Energie. Im Marketing sind Investitionen in die Optimierung von Prozessen, in Programme und bestimmte Unternehmensbereiche darunter zu verstehen.

Hast du das Rad in Bewegung gebracht, gilt es, jene Faktoren, die die Geschwindigkeit der Drehung verringern könnten, zu eliminieren. Es ist zwingend erforderlich, dass dein gesamtes Team kundenorientiert arbeitet und dass ineffiziente Prozesse oder Programme beseitigt werden. Diese Faktoren führen zu Reibung. Im Entscheidungsprozess ist die Reibung alles, was das Kauferlebnis verschlechtert.

Durch zufriedene Kunden bleibt das Flywheel stets in Bewegung. Ihre Mundpropaganda sorgt dafür, dass andere potenzielle Kunden auf dein Unternehmen aufmerksam werden und den Prozess selbst durchlaufen.

Wie wendest du das Flywheel an?

Für eine langfristige Kundenbeziehung braucht es zwei Dinge: Zum einen musst du in der Lage sein, die Fragen deiner Kunden zu beantworten. Auf der anderen Seite ist es erforderlich, dass diese Antworten deinen Kunden gefallen.

Wie also schaffst du es, die richtigen Lösungen anzubieten? Statt zu versuchen, ihnen deine Lösung aufzuzwingen, lernst du die Bedürfnisse deiner Kunden kennen und stellst sie in den Mittelpunkt all deiner Handlungen. So schaffst du es, das bestmögliche Kundenerlebnis und eine hervorragende Kundenerfahrung zu erzeugen.

In den folgenden Absätzen erfährst du, wie du es schaffst, Kunden anzuziehen, zu beteiligen und dann zu begeistern.

Anziehen

Kunden gewinnst du erst, wenn sie auf dein Unternehmen aufmerksam gemacht werden. Dabei hilft spannender Content, der die Konsumenten anzieht. Wertvolle Informationen lassen die potenziellen Kunden sehen, dass dein Unternehmen in der Lage ist, ihre Bedürfnisse zu stillen. Du zwingst ihnen also nichts auf, sondern lässt sie den Wert deines Unternehmens selbst erkennen.

Hierfür eignen sich oft kurze Content-Formate. Dafür lohnt es sich, Social-Media-Marketing zu nutzen. Zum Beispiel kannst du einen Arbeitstag im Büro filmen, um den Konsumenten einen Blick hinter die Kulissen zu ermöglichen. Andere Beispiele sind lustige GIFs oder Memes, kurze Snippets von Experten-Interviews oder Social-Media-Challenges.

Beteiligen

Nachdem du deine potenziellen Kunden auf dich aufmerksam gemacht hast, gibst du ihnen die Möglichkeit, auf diversen Kanälen mit dir in Kontakt zu treten. Es wird also möglicherweise Zeit für dich, in eine gute Website oder einen starken Social-Media-Auftritt zu investieren.

Wichtig bleibt aber: Du triffst deine Kunden, wo sie sich gerne aufhalten. Plattformen wie Instagram und Facebook, aber auch Online-Seminare oder (virtuelle) Tagungen können dabei helfen, den Kundenkontakt zu pflegen. Nutze außerdem Newsletter, Kundenservice-Chats auf Social Media oder Umfragen, um deine Interessenten zu beteiligen.

Begeistern

In der letzten Phase des Flywheels musst du deine Kunden begeistern. Ein Quiz, um das passende Produkt zu finden, die superschnelle Bearbeitung einer Bestellung, unerwartete Extras im Paket: all das sind Wege, deine Kunden zu begeistern. Sie sollen erleben, wie gut und unkompliziert sie ihre Wünsche mit deiner Hilfe erfüllen können. Nur dann empfehlen sie dein Unternehmen weiter und werden zur treibenden Kraft, die das Schwungrad in Bewegung hält.

Was gewinnst du mit Flywheel-Marketing?

Flywheel-Marketing: Diese Chancen bietet es dir

Loyale Kunden

Angenommen, du sehnst dich schon seit Monaten nach einem verführerischen Schokokuchen. Deine Freundin oder dein Freund überrascht dich am Wochenende mit einem aufwändigen Abendessen, bei dem es das Beste vom Besten gibt: Eine köstliche Vorspeise gefolgt von einer Trüffelpasta, serviert mit dem passenden Wein. Nur der Nachtisch bleibt aus.

Natürlich freust du dich, trotzdem geht dir der Kuchen nicht aus dem Kopf. Dein Hunger darauf wurde nicht gestillt. Wenn dir deine Oma am nächsten Tag einen Schokokuchen vorbeibringt, freust du dich wahrscheinlich sogar mehr über den Kuchen als über das Abendessen. Vielleicht denkst du dir: “Oma kennt mich einfach am besten!”.

Genau so ist es mit deinen Kunden: Indem du es schaffst, ihre Bedürfnisse zu stillen, wirst du für sie wirklich wertvoll. Weil sie darauf vertrauen, dass du ihre Ansprüche kennst und erfüllst, gehen sie gern eine langfristige Beziehung ein.

Neue Leads

Du wirst natürlich nur in den höchsten Tönen von deinem Produkt sprechen. Das wissen potenzielle Kunden. Deshalb verlassen sie sich lieber auf reale Erfahrungen. Hier kommen deine loyalen Kunden ins Spiel. Sie werden nämlich zu Advokaten, die deine Leadgenerierung ankurbeln.

Das ist überaus wichtig, da Kundenerfahrungen im Entscheidungsprozess eine große Rolle spielen. Ein potenzieller Kunde liest sich zum Beispiel die Bewertungen deines Produkts durch oder fragt eine ihm nahestehende Person nach ihrer Meinung. Sollte jemand dein Produkt kritisieren, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich dein potenzieller Kunde gegen den Kauf entscheidet.

Genauso steigt die Bereitschaft zum Kauf bei einer Empfehlung. Und wenn das Kauferlebnis dann wirklich toll war, erzählen Kunden das gern weiter: Mundpropaganda ist ein überaus starkes Werkzeug in der Leadgenerierung.

Steigende Investitionsmöglichkeiten

Durch diesen immerwährenden Kreislauf bist du nicht mehr allein für das Wachstum deines Unternehmens verantwortlich. Deine Kunden werden zu einer treibenden Kraft, die das Flywheel in Bewegung hält.

Die Energie, die du dadurch sparst, kannst du wieder in deine Kunden investieren. So hast du die Möglichkeit, neue Strategien für die langfristige Kundenbindung zu entwickeln und bestehende Prozesse zu optimieren. Damit verbesserst du stetig das Kauferlebnis, sodass mehr Interessenten begeistert werden können und dein Unternehmen weiter expandiert.

Wieso haben die klassischen Kaufentscheidungsprozesse ausgedient?

Sales Funnel: Der Ursprung aller Kaufentscheidungsprozesse

Der Sales Funnel stellt die klassische Art der Kundengewinnung dar. Zu Beginn wird eine breitere Masse von Interessenten auf ein Produkt oder eine Dienstleistung aufmerksam gemacht. Diese durchlaufen dann die verschiedenen Phasen des Entscheidungsprozesses und werden wie in einem Trichter immer weniger. Die kleine Anzahl, die am Ende noch übrig ist, entscheidet sich dann für den Kauf:

Das Sales Funnel

Wie der Sales Funnel genau eingesetzt wird und weshalb er nicht mehr aktuell ist, erfährst du im Artikel Der Marketing Funnel: Warum er 2023 nicht mehr aktuell ist – und du ihn trotzdem kennen musst.

Der Sales Funnel ist kein schlechtes Modell. Nur wurde über die Jahre deutlich, dass dieses Konzept eine wichtige Frage auslässt: Was geschieht mit den Kunden nach dem Geschäftsabschluss? Um diese Frage zu beantworten, wurde der Sales Funnel weiterentwickelt. Du kennst das Prinzip wahrscheinlich unter dem Begriff Customer Journey. Lies mehr dazu in unserem Artikel Customer Journey im Content Marketing: So baust du sie auf.

Fazit

Unterm Strich geht es beim Flywheel, wie auch Halligan erklärt, um das nachhaltige Wachstum deines Unternehmens. Du stellst deinen Kunden in den Mittelpunkt des Kaufprozesses und investierst regelmäßig in die Lösung seiner Probleme. Der Kunde geht in der Folge eine langfristige Beziehung mit dir ein und stellt dich neuen Interessenten vor. So wird das Rad angekurbelt und deine Kunden sorgen selbstständig dafür, dass es sich weiterhin dreht.

FAQ

Nachfolgend findest du Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Thema.

Quellen:

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